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Grüne Knöpfe an Klamotten reichen nicht

Strukturelle Probleme lassen sich durch eine Marke an Kleidung nicht lösen. Es braucht eine konsequentere Überprüfung.
Von Berndt Hinzmann, Menschenrechtler

Berndt Hinzmann ist Mitglied bei INKOTA-netzwerk e.V.
Berndt Hinzmann ist Mitglied bei INKOTA-netzwerk e.V.

Der Grüne Knopf als staatliche Gewährleistungsmarke, durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) etabliert, soll ökologische und soziale Standards bei der Herstellung von Bekleidung garantieren.

Unterdessen gibt es eine Reihe von Unternehmen, die den Grünen Knopf sogar in Anspruch nehmen wollen. Soweit so gut. Es wäre jedoch etwas schlicht anzunehmen, die Probleme sind erledigt. Einige Grüne Köpfe an einigen Textilien reichen nicht, um strukturelle Veränderungen voranzutreiben. Lange ist bekannt, dass der Trend von Fast Fashion – der Preiskampf – dazu führt, dass Menschenrechte verletzt werden.

Es braucht anspruchsvolle Maßstäbe

Die Folge: Fabrik Brände wie Ali Enterprise – Armutslöhne und katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Eine solche Mode ist untragbar – sagen viele. Was fehlt, ist mehr als ein Grüner Knopf. Gut, es gibt das Bündnis für nachhaltige Textilien, ebenfalls eine Initiative des BMZ und der Bundesregierung, um eine „Saubere“ Lieferkette zu erzielen. Beide Initiativen können sich ergänzen – das ist kohärente Politik. Das würde bedeuten, anspruchsvolle Maßstäbe zu legen.

Eine Überprüfung der OECD schrieb eine Anpassung des Review-Prozesses ins Hausaufgabenheft. Denn der Review-Prozess ist zentral und soll dazu dienen, die Maßnahmen der Unternehmen zum Schutz von Mensch und Umwelt zu überprüfen. Bisher bewertet die Überprüfung aber weder, ob die Unternehmen die Risiken in der eigenen Lieferkette – wie zu niedrige Löhne – identifiziert haben, noch ob die Maßnahmen überhaupt geeignet sind, die Risiken zu beheben. Eine konsequente Überprüfung von Maßnahmen und Wirkung ist deshalb unerlässlich – ebenso eine transparente Berichtsweise.

Unternehmen müssen existenzsichernde Löhne in den Fokus nehmen

Die Kritik der OECD entspricht den Forderungen der Zivilgesellschaft. Eine Chance besteht darin, das Bündnis mit einer Reform des Review wirksamer zu machen. Außerdem muss der gesetzte Fokus existenzsichernde Löhne konsequenter von allen Unternehmen aufgegriffen werden. Der fehlende Fortschritt bei diesem Thema ist frustrierend. Die Bündnisinitiative in Kambodscha ebnet Chancen, doch längst nicht alle Unternehmen werden initiativ. Das Zögern zeigt wieder mal: Es braucht ein Gesetz mit starken Sorgfaltspflichten für die Menschenrechte und Haftung für Unternehmen, die dieser Pflicht nicht nachkommen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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