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Verkehr

Gut 75 000 Pendler „abholen“

Regensburg will attraktiv bleiben. Dafür muss die Stadt mobil bleiben. Restriktionen sind schädlich.

Dr. Matthias Segerer ist Bereichsleiter Verkehr, Handel und Stadtentwicklung bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.
Dr. Matthias Segerer ist Bereichsleiter Verkehr, Handel und Stadtentwicklung bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.

Regensburg.Der Verkehr ist das Nadelöhr für die wirtschaftliche Entwicklung. Bereits in der Standortumfrage der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim im Jahr 2015 zeigten sich die Unternehmen mit der Entwicklung ihres Standorts äußerst zufrieden – lediglich bei der Verkehrsinfrastruktur sehen sie rot. Vor allem beim Individualverkehr und dem ÖPNV gibt es aus Sicht der regionalen Wirtschaft Handlungsbedarf.

Inzwischen wird das Thema Mobilität in der Öffentlichkeit in und um Regensburg diskutiert. Regensburg will mobil bleiben und gleichzeitig umweltfreundlich sein. Die Wirtschaft will ebenfalls beides! Nicht ohne Grund initiierte die IHK zusammen mit dem RVV ein Projekt zur besseren ÖPNV-Anbindung wichtiger Industriebetriebe. Außerdem setzt sie sich seit Jahren für mehr Elektromobilität und einen Ausbau von Schiene und Wasserstraße ein.

Das Ziel sind attraktive und umweltfreundliche Verkehrsangebote. Fahrverbote für Innenstädte, wie sie nach Stuttgart nun auch für unsere Stadt diskutiert werden, lösen keine Probleme. Es geht um die Schaffung von Alternativen, und da gebe es in Regensburg bei der Erreichbarkeit der Altstadt – also genau dort, wo eine mögliche Fahrverbotszone verortet wäre – einiges zu tun. Ein Parkhaus außerhalb des „Verbotsraums“, etwa am Jakobi-Gelände oder beim „Alten Eisstadion“ gibt es noch nicht und die jetzigen Verkehrswege für den ÖPNV sind bereits an ihrer Belastungsgrenze angekommen – ein Blick zur Rush-Hour in die Thundorferstraße genügt.

Mut macht aber die neue Dynamik beim Thema Stadtbahn. Ein höherwertiges ÖPNV-System würde nicht nur einen Quantensprung bei der Angebotsqualität bedeuten, sondern böte auch die Möglichkeit, den Stadtraum aufzuwerten. Apropos Stadtraum: Das „Projekt“ Stadtbahn ist eng verzahnt mit der Neugestaltung des Bahnhofsumfelds und dem RKK am Ernst-Reuter-Platz sowohl funktional als auch politisch. Insofern hat dieses für die Regensburger Stadtentwicklung wegweisende Projekt wiederum Auswirkungen bis in den letzten Winkel des Großraums Regensburg.

Es entscheidet darüber, wie wir uns in Zukunft in und um Regensburg bewegen, wobei das Bahnhofsareal den „Flaschenhals“ bildet. An dieser Stelle sind gute Lösungen im Spannungsfeld aus attraktivem öffentlichen Raum, Mobilitätsdrehscheibe und Kongresszentrum gefragt, die aber gleichzeitig den vorliegenden Standort nicht überfordern. Das Ergebnis wird und muss in einem Prozess abgewogen werden und hat schlussendlich Auswirkungen auf die ganze Region. Genau deswegen sind diese Tage mit Blick auf die Stadtentwicklung so spannend. Es werden die Weichen für die Zukunft gestellt und zwar nicht nur für das RKK und sein Umfeld, sondern für die Stadt und die Region insgesamt.

Bei aller Euphorie dürfen wir nicht das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: Regensburg will attraktiv bleiben und dafür muss Regensburg mobil bleiben! Das funktioniert nur, wenn auch die gut 75 000 Einpendler aus dem Umland von einem Öffentlichen Nahverkehr „abgeholt“ werden – durch attraktive Angebote, nicht durch Restriktionen.

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