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Hinter jedem großen Mann...

Frauen als vorgehaltene, unbezahlte Ressource werden wohl in Zukunft immer seltener anzutreffen sein.
von Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert, Geschäftsführerin der gemeinnützigen EQUA-Stiftung

Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert
Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert

München.Es gibt Wissenschaftler, Künstler und besonders viele Unternehmer, deren Schaffenskraft unerschöpflich zu sein scheint und die so effizient agieren, dass die Vermutung nahe liegt, deren Tag habe 48 Stunden.

Bei genauerer Betrachtung ist es auch so. Denn hinter beinahe jedem dieser Männer steckt eine Frau, die ihm nicht nur den Rücken von lästigen Alltagspflichten freihält, sondern die ihm sogar mit all ihrer Kraft (meist un- oder unterbezahlt) zuarbeitet. Sie ist zum einen Eingeweihte und kennt alle Ideen, Konzepte und Neuerungen, aber auch graue Eminenz, denn sie ist maßgeblich an allen Entscheidungen im Hintergrund beteiligt und hat nicht selten sogar das ausschlaggebende Letztentscheidungsrecht, wenn auch ohne verbrieftes Mandat. Zum dritten ist sie auch Lakai und erledigt alle lästigen Routinearbeiten, die dem Mann nur Zeit stehlen würden.

Nun gibt es immer wieder Beispiele dafür, dass solche Frauen die Aufgaben des Mannes übernehmen, wenn dieser plötzlich ausfällt. Für die Umwelt scheint es allerdings so, als ob da eine Frau „plötzlich Chefin“ geworden sei. Sie war es allerdings schon vorher, wenn auch nur im Hintergrund und ohne offizielle Funktion und Position. Und genau weil sie eigentlich keine wirklich neue Aufgabe übernimmt und lediglich fortführt, ist sie dann oft auch sehr erfolgreich.

In dem Maße allerdings, in dem Frauen selbstbestimmter ihren eigenen Lebensentwürfen folgen, wird es immer weniger Frauen geben, die das Zweitleben ihres Mannes leben wollen. Die schier unerschöpfliche Schaffenskraft der oben beschriebenen Männer wird sich also wohl immer mehr den tatsächlichen 24-Stunden-Tagen anpassen und eine Fortführung von etwas Begonnenem ohne großen Bruch wird es immer seltener geben. Zumindest wenn man nicht bewusst und vorausschauend in allen Bereichen Nachfolger/innen einführt und heranzieht, denn ihre Frauen sind vielleicht Hochschulprofessorin, Pfarrerin oder selbst Unternehmerin und führen ihr eigenes Leben. Frauen als vorgehaltene, unbezahlte Ressource waren zwar nicht unbedingt die Regel, sie werden aber wohl in Zukunft immer seltener anzutreffen sein. „Plötzlich Chefin“ in diesem Sinne wird es wahrscheinlich kaum mehr geben, dafür aber hoffentlich immer mehr Chefinnen, die aufgrund ihrer Kompetenz ein (eigenes) Unternehmen führen wollen.

Die Autorin ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen EQUA-Stiftung https://equa-stiftung.de/.

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