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Hirntod und Organspende

Das Gehirn ist die „Datenbank unseres Lebens“. Was wir gelernt haben, ist dort gespeichert. Der Hirntod zerstörte diese.
Von Klaus Schäfer, Theologe und Priester

Klaus Schäfer betreibt zur Aufklärung über Hirntod und Organspende die Internetseite www.organspende-wiki.de. Hierzu veröffentlichte er unter anderem ein Fachbuch (Vom Koma zum Hirntod).
Klaus Schäfer betreibt zur Aufklärung über Hirntod und Organspende die Internetseite www.organspende-wiki.de. Hierzu veröffentlichte er unter anderem ein Fachbuch (Vom Koma zum Hirntod).

Der Grundsatz „Kommunikation ist das, was ankommt“ gilt in besonderer Weise, wenn unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen, wie bei den Themen Hirntod und Organspende. Schnell ist im Eifer der Vermittlung des eigenen Anliegens aus dem Auge verloren, was da vermittelt wird. Jeder soll umfassende und korrekte Informationen erhalten, damit er seine persönliche Entscheidung zur Frage der Organspende zur eigenen Zufriedenheit fällen kann. Die Hirntoddiagnostik ist zwar Voraussetzung für eine Organentnahme, aber sie wird nicht zu diesem Zweck durchgeführt, sondern zur Klärung, ob noch Koma oder schon Hirntod vorliegt.

Wird dabei der Hirntod festgestellt, wird die künstliche Beatmung abgeschaltet und das Herz bleibt nach wenigen Minuten stehen, es sei denn, der Hirntote hat gesunde Organe und eine Zustimmung für die Organentnahme liegt vor. Dann wird dieser Weg eingeschlagen. Da einige Medikamente, darunter auch Schmerzmittel, bei hoher Dosierung bei der Hirntoddiagnostik einen Hirntod vortäuschen können, müssen diese vor der Hirntoddiagnostik abgesetzt sein. Die Sorge, dass dadurch der Patient leiden könnte, ist völlig unbegründet, denn die Summe der Hinweise, die den Hirntod vermuten lassen, belegt ein tiefes Koma. In diesem ist, wie bei einer Operation, kein Schmerzempfinden möglich.

Hirntod ist kein Koma. Dies drückte bereits 1959 Pierre Mollaret mit der Bezeichnung „coma dépassé“ (überschrittenes Koma) aus, als er seine 23 Fälle von Hirntod beschrieb. Die seit 2015 in Deutschland in der Medizin gültige Bezeichnung lautet „irreversibler Hirnfunktionsausfall“. Die Gehirnzellen sind so schwer geschädigt, dass sie sich davon nie wieder erholen können. Sie erfahren sogar einen Strukturwandel. Bei Hirntoten, die nach Feststellung des Hirntodes über 50 Stunden intensivmedizinisch weiterbehandelt wurden, war das entnommene Gehirn nicht nur brüchig, sondern zeigte Ansätze von Auflösung, Autolyse genannt. Das Gehirn ist nicht nur das Organ, mit dem wir wahrnehmen und denken, es ist auch die „Datenbank unseres Lebens“. Alles, was wir gelernt und erlebt haben, ist in Gehirnzellen gespeichert. Der Hirntod zerstörte diese „Datenbank“. Daher werden trotz der schlagenden Herzen Hirntote als Tote angesehen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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