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Hoffnung für Afghanistan

Ein Kommentar von Franziska Grillmeier, freie Journalistin und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Afghanischen Frauenvereins

Afghanistan befindet sich nach vier Jahrzehnten im Krieg – trotz aller Widrigkeiten arbeitet ein kleiner Verein weiter am Frieden im Land. Die Frauen in Afghanistan sind stark und stolz. Sie sind das Rückgrat einer jeden Familie. Werden sie gefördert, gibt es Hoffnung. Nadia Nashir, Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins glaubt an die neue Generation von Afghaninnen, die unabhängig denkt und das Land mitgestalten will. Sie selbst wuchs in den 60er- Jahren in der nördlichen Provinz Kunduz auf. Dort, wo Nomaden bis heute mit ihren Viehherden umherziehen.

Nashir kann sich noch an Zeiten erinnern, als Familien abends in die Kinos gingen und sich Balletttänzer auf den Theaterbühnen von Kabul drehten. Mit 20 Jahren siedelte Nashir nach Deutschland über und gründete 1992 mit 20 anderen Exil-Afghaninnen den Afghanischen Frauenverein. Die Frauen beschlossen Mädchen und Frauen in Afghanistan die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen und sich für den Frieden im Land einzusetzen. Unterstützt wurden sie von ihrem Schirmherrn, den 2016 verstorbenen Schriftsteller Roger Willemsen, heute setzt sich Herbert Grönemeyer als Botschafter für den Verein ein. Drei Schulen haben sie seitdem mit ihrem Afghanischen Team vor Ort gebaut, 600 Brunnen gebohrt und hunderte Familienpatenschaften abgeschlossen.

In Afghanistan lebt der Großteil der Bevölkerung auf dem Land. Und doch findet man dort oft keine Hilfsprojekte mehr. Zusammen mit lokalen Ärzten transportieren Mitarbeiter des Vereins daher medizinische Hilfsmittel in Regionen, zu denen kein Auto mehr vordringen kann. Nach 40 Jahren bewaffnetem Konflikt wurde die Hälfte der Bevölkerung in Afghanistan vertrieben. Laut UN sind seit Jahresbeginn erstmals mehr Zivilisten durch Truppen der USA und ihrer Verbündeten getötet worden als durch die Taliban und andere Rebellengruppen. Und trotzdem lehnt der Internationale Gerichtshof weitere Investigationen in Kriegsverbrechen ab – ein herber Rückschlag für die Sicherheitslage.

Trotz allem, sind heute 2500 Schülerinnen in den Schulen eingeschrieben, über 140 Frauen absolvierten im letzten Jahr eine einjährige Berufsausbildung. Und die Zahlen steigen. Nächste Woche fährt Nashir wieder nach Afghanistan. Sie fragt die Menschen, was sie brauchen.

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