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Politik
Montag, 16. Juli 2018 29° 3

Tierschutz

Hunde landen im Kochtopf

In Deutschland ist die Empörung über einen Brauch in China groß. Doch auch hierzulande werden Tiere massenhaft gequält.
Viktor Gebhart

Viktor Gebhart ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e.V.
Viktor Gebhart ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e.V.

München.In Yulin, China wird gerade das „Hundefleisch-Festival“ gefeiert. Während dort Hunde zerstückelt werden, zerreißt der Rest der Welt sich empört den Mund darüber. Vorne mit dabei: Wir Deutschen. Was hier geschieht, kann nicht geduldet werden.

Auf engstem Raum gehalten, erschlagen, erstickt, gekocht, gehäutet, an Haken aufgehängt, wie Ware verkauft. Fünf Millionen Individuen. In nur zwei Tagen. Für fünf Minuten Gaumenschmaus. Angeblich eine jahrtausendealte Tradition, zu allem Überfluss legal. Die Pro-Argumente: Geschmack und Nährwert. Widerlich? Abartig? Willkommen in Deutschland, die Grillsaison hat begonnen. Aber nun zurück zu China: Kleine Pudelmischlinge, Labrador-Welpen, Pekinesen, gar Kätzchen – das „Hundefleisch-Festival“ macht vor nichts Halt. Die Tiere werden zu Tausenden „ermordet“, nicht geschlachtet. Ihrem Tod gebührt in unserer westlichen Welt ein Wort, das sonst nur bei Menschen Verwendung findet. Morde, die zu Morddrohungen inspirieren.

Das Netz quillt über vor hasserfüllten Kommentaren, darunter sprachlich Stilistisches und rhetorische Feinkost. Wir waren eben schon immer ein „Volk der Dichter und Denker“. Und so dichten wir uns unsere ganz eigene Moral zusammen – eine Denke, die wir in unserer Tradition bestärkt sehen, während wir andere negieren. Nicht wenigen bleibt vor Empörung über das barbarische Fest ihr barbarisch geschlachtetes Grillsteak im Hals stecken. Dabei überwiegen die Gemeinsamkeiten die Unterschiede. Parallelen zwischen den Verzehrenden und denen, die verzehrt werden, werden vorsätzlich verdrängt. In den zwei Tagen des „Hundefleisch-Festivals“ 2015, bei welchem rund 40 000 fühlende Wesen grausam ihren Tod fanden, schafften wir Deutschen es auf die rund 125-fache Menge an fühlenden Wesen. An Empörung mangelte es jedoch. Eine gewaltige Disproportion. Eine Kulturleistung, emotionales Multi-Tasking.

Es ist eben schlichtweg leichter, andere zu verurteilen als über das eigene Handeln zu urteilen, dieses zu hinterfragen eine Gefährdung des gemütlichen Status quo. Denn es gibt keinen moralisch relevanten Unterschied zwischen einem Hund und einem Schwein. Es liegt an uns allen, unser Mitgefühl zu erweitern, über alle willkürlichen kulturellen Prägungen hinweg. Auf alle Tiere. Denn wer Tiere liebt, der isst sie nicht – weder Hund noch Schwein.

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