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Asyl

In der Türkei unerwünscht

Die Regierung in Ankara behandelt nicht alle Flüchtlinge gleich. Vor allem die Jesiden bekommen das auf böse Weise zu spüren.
Von Bernd Wohlgut

Bernd Wohlgut verfasst seit mehr als 25 Jahren Bücher über Zeitgeschichte und hat zahlreiche Krisenländer bereist.
Bernd Wohlgut verfasst seit mehr als 25 Jahren Bücher über Zeitgeschichte und hat zahlreiche Krisenländer bereist.

Ein Besuch der Flüchtlingslager auf türkischer Seite der Grenze zum Irak und Syrien gestaltet sich schwierig. Von Seiten des UN-World-Food Programms, welches die Flüchtlingslager mit unterstützt, verweist man darauf, dass ein Besuch nur mit einer offiziellen Genehmigung der türkischen Regierung erfolgen kann. Allerdings, so wird gleich hinzugefügt, sei diese Genehmigung nur schwer zu erhalten. Es bleibt also nur ein inoffizieller Besuch über kurdische Kontaktleute. Dafür ist dann das Interview mit den Camp-Managern ohne offizielle Aufpasser auch umso offener.

Viele Flüchtlingslager auf der türkischen Seite der Grenze bestehen erst seit ein oder zwei Jahren. Im Gegensatz zu Deutschland unterscheidet die Türkei bei den Flüchtlingen. Syrer oder Iraker ist eben nicht gleich Syrer oder Iraker, sondern Araber, Kurde, Jeside oder Aramäer. Der türkischen Regierung völlig unwillkommen sind Jesiden, diese erhalten auch keine medizinische Betreuung, nur eine Notfallversorgung. Am liebsten würde der türkische Staat alle Jesiden möglichst schnell nach Europa weiter schicken, so die kurdischen Camp-Manager.

Aufgrund der zeitweisen Überbelegung der Flüchtlingslager ist hierzu auch keine große Argumentation notwendig. „Reisewillige“ werden vom türkischen Staat per Bus ein paar Hundert Kilometer nach Westen gefahren, dann lässt man sie aussteigen und wünscht ihnen viel Glück. „Reisewilligkeit“ wird manchmal auch durch das Zahlen eines Handgeldes durch die türkischen Behörden hergestellt. Jedoch ist bei den Flüchtlingen, gleich ob Kurden, Jesiden, Aramäer oder Araber, ohnehin die Tendenz verbreitet, nach Europa zu gehen, da man sich dort eine bessere Zukunft verspricht, da man dort für die Kinder ungleich bessere Bildung und Chancen für das spätere Leben erwartet.

Verweist man auf die Politik der deutschen Kanzlerin bezüglich der Türkei und der angestrebten Zusammenarbeit bei der Flüchtlingsfrage, so erntet man durchaus eine humorvolle Reaktion bei vielen Kurden. Erdogan sei doch Teil des Problems, nicht der Lösung, so die Kurden. Nein, wer das Flüchtlingsproblem lösen will, muss den IS in Syrien und dem Irak vernichten und den verhassten syrischen Diktator Assad verjagen. Was man wirklich braucht seien Waffen wie die Milan-Rakete, betonen besonders die irakischen Kurden immer wieder. Die Jesiden sind nicht massakriert und vertrieben worden weil sie zu viel Waffen hatten, sondern weil sie überhaupt keine Waffen hatten und für den IS leichte Opfer waren.

Es hält sich hartnäckig die Anschuldigung dass Erdogan eine Zeit lang mit dem IS, den die Türken wie die Kurden als DAESH bezeichnen, gemeinsame Sache machte. Auch wird immer wieder der Vorwurf laut, dass die Schleuser auf türkischer Seite durchaus im Interesse türkischer Politiker arbeiten. Mit jeder neuen Hürde, die Europa den Flüchtlingen stellt, würden auch die Geldbeträge für die Flüchtlinge steigen. Dies bedeutet, dass die Flüchtlinge umso bereiter auf den zahlreichen Baustellen der Türkei unter schlechter Bezahlung arbeiten, um das Reisegeld für die Schlepper zu verdienen. Diejenigen, die davon profitieren, sind auch die türkischen Politiker in den Aufsichtsräten der Baufirmen.

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