MyMz

Aussenansicht

Inklusion: Barrieren raus aus den Köpfen

Statt über Menschen mit Behinderung zu reden und zu entscheiden, sollte man das Gespräch mit ihnen suchen.
Dunja Robin, Diplom-Sozialpädagogin

Dunja Robin ist die Leiterin der Geschäftsstelle des Netzwerks von und für Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern (Netzwerkfrauen-Bayern). Foto: Winklhofer
Dunja Robin ist die Leiterin der Geschäftsstelle des Netzwerks von und für Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern (Netzwerkfrauen-Bayern). Foto: Winklhofer

Echte Inklusion wird gebremst, wenn über die Köpfe der Menschen mit Behinderungen hinweg diskutiert wird, statt auf Augenhöhe. Ein aktives Leben mit Behinderung ist für die meisten Menschen nicht wirklich vorstellbar.

Dass für kleine Alltagswege – zum Bäcker, zur Arbeit, zum Ehrenamt – die dreifache Zeit eingeplant werden muss, damit man nicht wieder zu spät kommt. Der Busfahrer einen im Rollstuhl nicht mitnimmt, denn es sei schon ein Kinderwagen im Bus oder die Rampe sei defekt. Wie es sich anfühlt, wenn man fast am Ziel angekommen ist – und dann kommt man nicht vom Bahnsteig weg, weil der Aufzug mal wieder nicht funktioniert.

Falsche Rücksichtnahme

Dennoch stellen sich Menschen mit Behinderungen diesen Herausforderungen, tagtäglich und oft zum Unverständnis nicht-behinderter Menschen. Da heißt es oft: Sie könnten doch zu Hause oder in der Einrichtung bleiben, betreut und gepflegt. Das sei doch auch viel angenehmer. Und andere könnten doch die Aufgaben schneller und effektiver erledigen. Das ist eine verdrehte, falsche Rücksichtnahme, gepaart mit pseudo-wirtschaftlichem Denken. So funktioniert keine Inklusion!

Zu viele Menschen reden und entscheiden noch immer ÜBER behinderte Menschen anstatt MIT ihnen. Wir im Netzwerkbüro wissen: Gerade für Frauen mit Behinderungen ist es oft schwer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Arbeit zu finden, trotz guter Ausbildung. Will sich man sich ehrenamtlich engagieren, wird man strukturell behindert: Zu viele Barrieren machen es schwer, sich in die Gesellschaft einzubringen. Das aber wäre Inklusion.

Barrieren in den Köpfen

Dabei ist die Frau mit dem Elektro-Rollstuhl vielleicht eine exzellente Beraterin, oder betreut eine Website oder hat andere Talente. Vielleicht ist sie eine hervorragende Mutter. Ist wertvoll für ihren Arbeitgeber, die Familie und die Gesellschaft.

Mein Wunsch ist daher: Augen auf und Barrieren raus aus den Köpfen! Mehr Dialog und weniger Konzentration darauf, was der Mensch mit Behinderung vielleicht nicht kann. Mehr Fokus auf die individuellen Fähigkeiten, die jeder hat. Dann erfüllt sich vielleicht auch der Wunsch fast aller Menschen, ob behindert oder nicht: Ein „normales“ Leben mit Arbeit, Familie, Freizeit, Ehrenamt. Ein Geben und Nehmen für beide Seiten. Mitten in der Gesellschaft.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Weitere Außenansichten lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht