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Freitag, 22. Juni 2018 18° 3

Tiere

Katzen töten Millionen Singvögel

In Deutschland gehen bis zu 200 Millionen Singvögel auf das jährliche Beutekonto von Katzen. Das müsste nicht sein.
Prof. Dr. Inga Neumann

Prof. Dr. Inga Neumann ist Lehrstuhlinhaberin Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg.
Prof. Dr. Inga Neumann ist Lehrstuhlinhaberin Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg.

Regensburg.Hauskatzen gelten in unserem Land als die beliebtesten Haustiere. Mehr als 20 Prozent der deutschen Haushalte halten eine oder mehrere Katzen, und so leben etwa sieben bis 14 Millionen Katzen in Deutschland. Die Hälfte davon sind Freigänger, die andere Hälfte Hauskatzen, also echte Stubentiger. Weitere zwei Millionen Katzen streunen herrenlos umher und müssen ihr Futter selbst jagen. Obwohl die Katze seit Jahrtausenden domestiziert ist, hat sie das räuberische Wesen ihrer wilden Stammformen bewahrt. Alle Katzenbesitzer sind außerordentlich tierlieb und haben meist auch ein sehr enges Naturverhältnis. Sie lieben nicht nur ihren Schmusekater, sondern auch die Singvögel im Park, im Wald oder im Garten. Das führt unweigerlich zu Konflikten, wenn der vierbeinige Freigänger wieder einmal einen verletzten oder gar getöteten Singvogel oder ein anderes wildes Kleintier vor der Tür „als Geschenk“ ablegt.

Auch wenn absolute Zahlen wenig zuverlässig sind, wird für Deutschland geschätzt, dass 100 bis 200 Millionen Singvögel auf das jährliche Beutekonto unserer Lieblinge gehen. Unsere Katzen sind aber nicht mehr auf ihre Beutetiere angewiesen, da sie vom Menschen gefüttert werden. Sie sind somit nicht mehr Teil des natürlichen Räuber-Beute-Gleichgewichts. Doch was können Katzenfreunde tun, damit sich die Zahl der getöteten Gartenvögel in Grenzen hält? Bäume mit Vogelnestern oder Vogelkästen können durch katzenabweisende Manschettenringe (nicht Stacheldraht!) gesichert werden. Baut man mit Dornen und Stacheln bewehrte heimische Straucharten an, wird die Vogelbrut vieler Freibrüter auf natürliche Weise geschützt. In jedem Fall muss man den Vögeln zuliebe die Freilaufzeiten der Katze insbesondere in der Brut- und Jungvogelzeit strikt auf wenige Stunden am Tag reduzieren.

Um die Anzahl verwilderter Hauskatzen zu verringern, wird generell dafür plädiert, alle freigehenden Katzen zu kastrieren bzw. zu sterilisieren und mit einem Halsband zu kennzeichnen. Die damit verbundenen Kosten sind ein effektiver Beitrag, um die Anzahl der für die Vogelwelt besonders gefährlichen verwilderten Katzen zu reduzieren. Liebe Katzen- und Vogelfreunde, wir müssen uns bewusst sein, dass Hauskatzen menschengemacht sind und das natürliche Räuber-Beute-Verhältnis empfindlich zu Ungunsten unserer Singvögel stören.

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