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Gesellschaft

Kein Mensch flieht freiwillig

Alle Familien sind wertvoll und schützenswert – egal, aus welchem Land sie kommen. Das sollte die Politik beachten.
Von Michaela Halter

Michaela Halter ist Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Regensburg. Foto: Fotostudio Daniel
Michaela Halter ist Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Regensburg. Foto: Fotostudio Daniel

In unserem Land sind zurzeit viele Flüchtlinge angekommen. Waren zu Beginn der Flüchtlingswelle nur ganz vereinzelt hinter vorgehaltener Hand Widerstände gegen die Aufnahme von Asylsuchenden zu hören, weitet sich das aktuell aus, wie die brennenden Asylunterkünfte beweisen. Das geht so weit, dass Menschen um Leib und Leben fürchten müssen.

Dabei übersehen diejenigen, die Ressentiments gegen die Asylsuchenden haben, dass kein Mensch freiwillig flieht. Die unvorstellbaren Gefahren, die die Menschen auf der Flucht auf sich nehmen, nimmt man nicht fahrlässig in Kauf. Gründe für die Flucht sind Gewalt, Bedrohung von Leib und Leben sowie der reale Terror. Die Menschen verlassen ihre Heimat, ihr Umfeld und ihr gewohntes Leben aus Verzweiflung und Ausweglosigkeit über die Situation vor Ort. Weltweit sind nach Angaben der UNHCR derzeit ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Ein Großteil dieser Menschen sind sog. Binnenflüchtlinge. Sie finden in den Nachbarländern Zuflucht. Alleine die Tatsache, dass derzeit mehr Menschen ihre Heimat aus Zwang verlassen als nach dem Zweiten Weltkrieg ist unvorstellbar und eine menschliche Katastrophe.

Nur ein kleiner Teil der fliehenden Bevölkerung aus den Krisengebieten unserer Erde kommt nach Europa. Verglichen mit der Gesamtzahl der Flüchtlinge erscheint der Anteil der bei uns ankommenden Geflüchteten wie ein kleiner Bruchteil. Gerade wohlhabende Länder wie die Europäischen müssen in der Lage sein, diesen Menschen Hilfe und Unterschlupf bieten zu können.

In den Reaktionen mancher „Flüchtlingsgegner“ erscheinen diese schutzbedürftigen Menschen ihrer Menschlichkeit beraubt. Es wirkt zynisch, dass sich diese Menschen als „das Volk“ bezeichnen, sich auf den Schutz des „christlichen Abendlandes“ berufen und dessen Grundwerte wie Barmherzigkeit und Offenheit anderen Menschen gegenüber mit Füßen treten. Natürlich unterliegen die geflüchteten Menschen auch unserer gesellschaftlichen Grundordnung wie unseren Gesetzen. Ein Verstoß gegen Rechtsvorschriften muss auch für sie Konsequenzen nach sich ziehen. Dennnoch steht auch ihnen das Recht auf freie Religionsausübung zu. Als Christ respektiere ich die Religion des anderen.

Mit Blick auf das von der Bundesregierung beschlossene „Asylpaket II“ kann der Eindruck entstehen, dass die Regierung, vielleicht auch aus wahltaktischen Überlegungen, sowohl im Inhalt als auch in der Diktion Anleihen bei manchen Flüchtlingsgegnern genommen hat.

Im Sinne der Integration sind jedoch einige Punkte des „Asylpakets II“ sehr fragwürdig. Die Ansicht der Bundesfamilienministerin, dass Integration von Familien, besonders mit Kindern, sehr viel leichter geschehen kann, als die Eingliederung von alleinstehenden Männern, die ihre Familie vermissen und durch die Perspektivlosigkeit frustriert sind, können wir nachvollziehen.

Auch die Einstellung mancher konservativer Politiker, die Familie zu schützen, ist absolut richtig und lobenswert. Jedoch stellt man sich in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit bei diesem Bild in erster Linie nur einheimische Familien gemeint sind, die unter diesen Schutz fallen sollen. Aus christlicher Sicht ist jede Familie gleich wertvoll und somit nicht mehr oder weniger schützenswert, egal welche Herkunft diese Familie hat.

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