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Kein Vertrauen in die Trauernden

Angehörige dürfen in Bayern nicht die Asche ihrer Liebsten transportieren. Dabei wird diese oft per Post versendet.
Von Alexander Helbach

Alexander Helbach ist Referent Presse und PR bei Aeternitas e.V.
Alexander Helbach ist Referent Presse und PR bei Aeternitas e.V.

Die Bestattungsgesetze der Hälfte der Bundesländer verbieten es den Angehörigen, die Urne Verstorbener selbst beim Krematorium abzuholen und zum Friedhof zu transportieren – auch in Bayern. Offenbar wird ihnen kein pietätvoller Umgang mit der Asche ihrer Verwandten zugetraut – anders als vollkommen fremden Menschen wie Krematoriums- und Friedhofsangestellten, Bestattern und darüber hinaus: den Mitarbeitern von Paketdiensten.

Was viele Menschen nicht wissen: Urnen mit der Asche Verstorbener werden häufig als Paket verschickt. Das ist natürlich weitaus günstiger, als wenn der Bestatter die Urne persönlich beim Krematorium abholt und zum Ort der Beisetzung befördert. Sind die Angehörigen darüber im Bilde und entscheiden sich bewusst für diese kostensparende Variante, ist dagegen auch nicht grundlegend etwas einzuwenden. Wobei hier am Rande erwähnt werden soll, dass dabei in Einzelfällen auch mal eine Urne vertauscht worden oder gar verschwunden ist. Doch warum sollte dieser letzte Dienst am Verstorbenen den engsten Bezugspersonen verwehrt bleiben, gerät hier die Würde der Verstorbenen in Gefahr?

Dieses Verbot zieht die Frage nach sich, warum der weithin übliche Postversand der Urnen eher der angemessen sein sollte. Von einem pietätvollen Umgang mit den sterblichen Überresten sollte beim Transport durch die Angehörigen grundsätzlich ausgegangen werden. Wer die Asche Verstorbener persönlich zur Grabstätte befördern möchte, zeigt damit doch gerade den Wunsch nach bewusster Teilhabe und Nähe. In dem Verbot, hier selbst tätig zu werden, spiegelt sich das leider weit verbreitete Misstrauen gegenüber Trauernden. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Bestattungsgesetze und -verordnungen und viele Friedhofssatzungen. Zahlreiche Vorschriften bevormunden die Bürger und schränken sie darin ein, wie sie sich von den Verstorbenen verabschieden können.

Vollkommen überholte Vorstellungen von Pietät oder Totenwürde dienen häufig als fadenscheinige Argumente, die einem kritischen Hinterfragen kaum standhalten. Das gilt neben dem Transport der Urne zum Beispiel auch für den hierzulande anders als in vielen anderen Staaten bestehenden Friedhofszwang oder für allzu strenge Gestaltungsvorschriften für Gräber und Grabmale.

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