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Forschung

KI ist kein Teufelszeug

Je mehr Experten ihr Wissen mit Bürgern teilen, umso rationaler können wir über eine Schlüsseltechnologie diskutieren.
Von Dr. Lars Rinsdorf

Der. Lars Rinsdorf, Professor für Journalistik an der Hochschule der Medien, Stuttgart, und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft.
Der. Lars Rinsdorf, Professor für Journalistik an der Hochschule der Medien, Stuttgart, und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft.

Regensburg.Künstliche Intelligenz ist in der Gesellschaft angekommen in einer Vielzahl von Endgeräten, die wir täglich anwenden. Gleichzeitig fragen sich viele, welche Umbrüche diese Technologie künftig auslösen wird. Die Debatte über Algorithmen, die selbst lernen, kennt jede Schattierung zwischen Heilsbringer und Totengräber. Bezogen auf Medien wird etwa über den Roboterjournalismus diskutiert, bei dem Algorithmen Nachrichten auswählen, Texte erstellen oder die Reihenfolge bestimmen, in der die Nutzer sie präsentiert bekommen.

Digitalisierung

Wenn Systeme lernen lernen

Das Zusammenspiel der Technologien – dort liegt für Prof. Dr. Frank Herrmann das größte Potenzial von Industrie 4.0.

Dass von Robotern gesprochen wird, ist kein Zufall: Studien zeigen, dass die Diskussion um Algorithmen von der Vorstellung geprägt wird, dass Maschinen die Macht der Menschen übernähmen. Wer mit Experten spricht, erfährt, dass dieses Bild im Kopf nicht dem aktuellen Stand der KI-Forschung entspricht. So leistungsfähig selbst lernende Algorithmen auch sind, werden sie nach wie vor von Menschen entwickelt und von Organisationen mit sehr spezifischen Zielen eingesetzt. Jemand trägt also Verantwortung dafür, wie und wofür künstliche Intelligenz verwendet wird. Es liegt an den Journalisten, auch in der Berichterstattung darüber ihre Stärken auszuspielen. Sie können durch solide Recherche und eine verständliche Darstellung der Technologie und ihrer Folgen die Diskussion versachlichen. Außerdem können sie durch Einschätzungen und Kommentare die gesellschaftliche Debatte anzuregen.

Technologie

Neuer Verein fördert Austausch über KI

Vernetzung von Unternehmen und Forschung: In Regensburg wurde ein Verein für angewandte Künstliche Intelligenz gegründet.

Dies gelingt umso besser, je mehr Journalisten die Technologie durch die Augen ihres Publikums betrachten. Und es braucht IT-Experten in den Redaktionen, die KI verstehen und selbst anwenden können – eine seltene Spezies. Die Kommunikationswissenschaft erforscht intensiv, wie Algorithmen und große Datenbestände gesellschaftliche Kommunikation verändern. Bezogen auf den Journalismus stehen etwa faszinierende Möglichkeiten in der Analyse und visuellen Aufbereitung von Daten, etwa zur Erderwärmung, großen Schwierigkeiten beim Zugriff auf Datensätze gegenüber, die von globalen Unternehmen wie Facebook oder staatlichen Sicherheitsdiensten genutzt werden. Je mehr Wissenschaftler dieses Wissen mit Bürgern teilen, desto stärker ist ihr Beitrag zu einer rationalen Debatte über eine Schlüsseltechnologie.

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