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Politik
Dienstag, 22. Mai 2018 27° 3

Aussenansicht

Kinder brauchen Hilfe – und zwar jetzt

Kinder und Jugendliche aus armen Familien leiden nicht nur an finanzieller, sondern auch an emotionaler Armut.
Von Wolfgang Büscher, Sprecher von „Die Arche“

Die aktuelle „Außenansicht“ stammt von Wolfgang Büscher. Er ist Journalist und Autor und seit 2004 Sprecher des christlichen Kinder- und Jugendprojekts „Die Arche“. Foto: Büscher/Die Arche

Regensburg.Deutschland ist ein reiches Land, das lesen wir täglich in unseren Zeitungen. „In Deutschland hat jedes Kind die gleichen Chancen auf Bildung und später auf ein selbstbestimmtes Leben“, so habe ich, bevor ich zur „Arche“ kam, auch gedacht. Doch die Realität sieht anders aus. Drei Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland unterhalb oder an der Armutsgrenze. Das sind eindeutig drei Millionen zu viel. Doch was bedeutet eigentlich arm sein, in einem Land wie dem unsrigen? Dazu gibt es eine offizielle Formulierung. Wenn man weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens hat, ist man arm.

Doch ist das wirklich alles? Ein kleiner Junge aus einer Berliner „Arche“, der sehr zufrieden mit seinem Leben war, sagte einmal: „Wir sind nicht arm – wir haben nur kein Geld.“ In der Tat, denn neben der finanziellen Armut ist insbesondere die emotionale Armut ein großes Problem. Viele Menschen, die jahrelang von Transferleistungen leben müssen, haben sich ein Stück aufgegeben. Wenn die Gesellschaft diese Menschen fallenlässt, dann vergessen sie auch die Gesellschaft. Die Eltern bestimmen nicht mehr ihr eigenes Leben, sondern sie werden bestimmt durch ihre Lebensumstände. Hartz IV ist wie ein Korsett, das Eltern und Kinder gleichermaßen fast bewegungsunfähig macht. Sie sind Opfer unserer Gesellschaft, sie geben sich auf. Für die Kinder dieser Familien ist das eine Katastrophe. Sie saugen das Aufgeben ihrer Eltern mit der Muttermilch auf.

Wie kommt man aus dieser Situation heraus? Wir brauchen dafür keine Erhöhungen der Sozialleistungen. Wir brauchen mehr Lehrer und Erzieher, mehr Psychologen, die Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern. Bildung und Werte sind die Schlüssel für ein besseres und selbstbestimmtes Leben. Wir müssen den Filter Eltern leider zum Teil abschaffen und die Kinder auch außerhalb ihres Elternhauses unterstützen. Sie müssen möglichst früh in die Kitas und ganztägig in die Schulen. Helfen müssen wir besonders alleinerziehenden Müttern und Kindern mit Fluchterfahrung. Deutschland hat keine anderen Ressourcen als seine Kinder. Und die Kinder leben jetzt. Kinder sind nicht nur Zukunft, nein, sie leben jetzt und heute. Sie brauchen unsere Hilfe sofort, sonst sind sie für immer verloren.

Der Autor Wolfgang Büscher ist Sprecher von „Die Arche“. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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