mz_logo

Politik
Freitag, 21. September 2018 28° 3

Justiz

Kippa-Prozess: Angeklagter gesteht

Die Attacke auf einen Israeli in Berlin empörte viele Menschen. Bei der Gerichtsverhandlung verteidigt sich der Angreifer.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei seinem Opfer. Foto: Paul Zinken/dpa
Der Angeklagte entschuldigte sich bei seinem Opfer. Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin.Zwei Monate nach dem Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin hat ein 19-jähriger Syrer gestanden, mit einem Hosengürtel mehrmals zugeschlagen zu haben. Er bereue die Tat, sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Tiergarten gestern. „Es tut mir sehr leid, es war ein Fehler von mir“, fügte er im voll besetzten Saal hinzu. Zugleich betonte er mehrmals, er habe sich im Recht gefühlt. Er sei zuerst beschimpft und beleidigt worden. Zudem habe er Drogen genommen.

Das Interesse an dem Prozess war riesig, internationale Medienvertreter reisten an, auch die Jüdische Gemeinde verfolgte die Verhandlung direkt. Anders als erwartet, wird der Prozess weitergehen: Am Montag ist ein weiterer Verhandlungstag geplant – ursprünglich war nur einer vorgesehen.

Dem Syrer, der seit 2015 in Deutschland ist, werden gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen. Er soll den Israeli und dessen Freund, einen Deutsch-Marokkaner, antisemitisch beschimpft haben, als sie am 17. April im Stadtteil Prenzlauer Berg unterwegs waren und auf drei Männer trafen, darunter der Syrer.

Lesen Sie auch: Woher kommt der Hass in Deutschland?

Der angegriffene Israeli ist seit drei Jahren in Deutschland und tritt zugleich als Nebenkläger im Prozess auf. Er sagte, er fühle sich bis heute unsicher. „Ich würde die Kippa nicht wieder aufsetzen, wenn ich allein bin“, sagte der 21-Jährige Adam A.. Er trage das Geschenk eines Freundes aus Israel nur noch bei Freunden oder in einer Gruppe, schilderte der Student der Tiermedizin. Als er in die Hauptstadt kam, sei er überzeugt gewesen, dass Berlin sicher sei. „Es war nicht der Fall.“ Der 21-Jährige erlitt laut Anklage Schmerzen an Bauch und Beinen, eine Lippe platzte auf.

Der Fall schlug hohe Wellen, nachdem Adam A. den mit dem Handy gefilmten Angriff ins Internet gestellt hatte. Zu sehen ist, wie ein Mann wütend und hasserfüllt mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und auf arabisch „Jude“ ruft. Danach gab es in mehreren deutschen Städten Solidaritätskundgebungen. Auch Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich betroffen.

„Ich hab gekifft, ich war auf Drogen. Mein Kopf war müde.“

Der Angeklagte vor Gericht

Das Video wurde auch im Gericht gezeigt. Zu Beginn ist auf Arabisch der Angeklagte zu hören, der fragt: „Warum beleidigst Du uns?“. Der Israeli sagte dazu, damals habe er den Satz nicht wahrgenommen. Er habe mit dem Angreifer kein Wort gewechselt.

Der Angeklagte, ein schmächtiger junger Mann in Jeans, der aus der Untersuchungshaft in den Saal geführt wurde, beteuerte: „Ich bin keiner, der gegen Juden ist.“ Doch auf etliche Fragen des Richters antwortete er nicht konkret. Zugleich betonte er aber, er habe dem Fremden nur Angst machen wollen. „Ich hab gekifft, ich war auf Drogen. Mein Kopf war müde.“

Hier geht es zur Politik.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht