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Kleine Kinder, keine Küche

Hilfebedürftige und Alleinerziehende warten bis zu drei Jahre auf eine größere Wohnung. Dann wartet oft ein weiteres Problem.
Von Claudia Alkofer

Regensburg.Bezahlbarer Wohnraum ist in Regensburg rar, bei Nachwuchs eine größere Wohnung zu finden ist daher für jede Familie schwer. Noch schwerer ist die Wohnungssuche für hilfebedürftige Familien und Alleinerziehende. Aufgrund der geringen Zahl geförderter Wohnungen warten diese Familien bis zu drei Jahre in oft viel zu kleinen Wohnungen auf den Umzug.

Doch nach dem Umzug in eine größere Wohnung wartet, nach den Erfahrungen der Beratungsstelle pro familia, ein weiteres Problem auf die Familien: Die geförderten Wohnungen werden oft ohne Küche vermietet. Neben zusätzlichen Möbeln müssen die Familien also auch eine Küche anschaffen. Zusätzlich zur Mietkaution, die nicht vom Jobcenter übernommen wird, sondern nur als Darlehen gewährt wird, können das nur die Wenigsten finanziell stemmen. Vom Jobcenter werden nach dem entsprechenden Antrag entweder einmalige Leistungen bewilligt, die in der Regel nicht annähernd für den Kauf einer preisgünstigen Küche ausreichen. Oder es werden Gutscheine für den Gebrauchtwarenhof ausgestellt, wo oft nicht genügend gebrauchte Küchen vorrätig sind.

Mehr Wohlwollen und Großzügigkeit

In der Folge leben Familien mit Kleinkindern oft monatelang ohne Küche. Ein absolut untragbarer Zustand. Hinsichtlich der Gutscheine wäre daher gerade gegenüber Alleinerziehenden und Familien in besonderen Notsituationen mehr Wohlwollen und Großzügigkeit im Rahmen des Ermessensspielraums notwendig und hilfreich.

Es ist in diesen Fällen auch möglich, sich an wohltätige Stiftungen zu wenden, die Einrichtungsgegenstände bezuschussen. Die Antragstellung ist eine weitere bürokratische Hürde, die für Menschen in Notsituationen, psychisch belastete oder geflüchtete Menschen mit geringen Deutschkenntnissen nicht ohne Hilfestellung zu überwinden ist.

Die Folge ist, dass meine Kolleginnen von pro familia und ich einen erheblichen Teil unserer Beratungszeit für Wohnungsangelegenheiten vor, während und nach einem Umzug aufwenden, sprachliche und inhaltliche Unklarheiten der Anträge klären und uns teilweise selbst an das Jobcenter oder die Stiftungen wenden, um zu vermitteln. Das ist bedauerlicherweise unverhältnismäßig viel Zeit, die uns letztlich in der Beratung zu unseren Kernthemen wie Schwangerschaft, Eltern werden, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung fehlt.

Die Autorin ist Fachliche Leitung der Schwangerschaftsberatungsstelle pro familia Regensburg

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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