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Klimaschutz ist Bedingung

Das Potenzial der energetischen Gebäudesanierung in Deutschland ist nach wie vor enorm. Der Bund sollte Vorbild sein.
Von Hinderk Hillebrands, Ingenieur

Hinderk Hillebrands ist Ingenieur und Energieberater. Er ist einer der beiden Vorsitzenden des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V., dem 700 Ingenieure, Architekten und Techniker angehören.
Hinderk Hillebrands ist Ingenieur und Energieberater. Er ist einer der beiden Vorsitzenden des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V., dem 700 Ingenieure, Architekten und Techniker angehören.

Deutschland verfehlt seine für 2020 gesetzten Klimaziele. Diese Nachricht ist bereits einige Monate alt – man hat sich an sie gewöhnt. Danach aber erleben wir einen heißen und trockenen Sommer, wie es ihn seit Jahren nicht mehr gab. Viele fragen sich: Ist der Klimawandel nun für alle sichtbar und spürbar bei uns angekommen? Und dann aktuell das: Der Bund selbst verfehlt bei seinen eigenen Gebäuden die Klimaziele – an keiner seiner Immobilien ist eine energetische Gebäudesanierung abgeschlossen.

Diese Auskunft gab das inzwischen auch für Bau zuständige Innenministerium auf eine kleine Anfrage der FDP im Bundestag. Wie passt das alles zusammen? Sind selbstgesteckte Klimaziele nur gut für Pressemitteilungen und Ministerfotos? Der Bund sollte eigentlich Vorbild sein. Für Private, aber auch für Unternehmen. Denn das Potenzial der energetischen Gebäudesanierung in Deutschland ist nach wie vor enorm. Viele Bundesländer und zahlreiche Gemeinden sind da schon weiter – sie machen ernst mit Klimaschutz, weil sie auch die Auswirkungen unmittelbar vor Ort verspüren.

Es geht hier um Glaubwürdigkeit – national wie international. Klimaschutz ist nicht „nice to have“, also etwas, das man nicht unbedingt haben muss. Klimaschutz ist die Vorbedingung für alles Weitere! Für unser ganzes Leben, wie wir es bislang gewohnt sind, für unsere Gesellschaft, auch für unsere Gesellschaftsordnung. Denn in einer Welt, die nicht mehr so funktioniert wie bisher, dürften ganz schnell demokratische Werte in Frage gestellt werden.

Einen Vorgeschmack liefern die aktuellen, oftmals politisch gewohnte Grenzen überschreitenden Diskussionen um die Migration nach Deutschland. Gebäudesanierung ist nichts, was besonderen politischen Mut erfordern oder mächtige Interessensgruppen auf den Plan rufen würde, wie beim Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Sie ist eine planerische, organisatorische und technische Aufgabe: etwas für Ingenieure, Energieberater, Praktiker vom Bau – kein Hexenwerk. Das Tolle: Gebäudesanierung ist ein schneller und günstiger Weg, Energieverbrauch und damit Emissionen zu senken. Diesen Weg sollte der Bund viel entschlossener gehen. Deshalb: Mehr Ambition beim Klimaschutz, bitte!

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