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Flüchtlinge

Konkurrenz für Obdachlose wird härter

Obdachlose und Flüchtlinge leben am Rand der Gesellschaft. Helfer warnen vor einem Konkurrenzkampf um Hilfen.
Von Theresa Münch, dpa

Ein Obdachloser in Berlin: Die Zahl der Obdachlosen steigt. Nach Meinung von Helfern liegt das auch am aktuellen Wohnungsmarkt.
Ein Obdachloser in Berlin: Die Zahl der Obdachlosen steigt. Nach Meinung von Helfern liegt das auch am aktuellen Wohnungsmarkt. Foto: dpa

Berlin.Noch ist kein Frost. Wenigstens das. Denn einige Notunterkünfte für Wohnungslose seien schon so voll, dass sie Menschen abweisen müssten, berichtet Werena Rosenke. „Die leben dann auf der Straße. Das werden wir diesen Winter häufiger sehen.“ Rosenke spricht für die bundesweite Dachorganisation der Wohnungslosenhilfe. In diesem Winter dürfte die Konkurrenz um Schlafplätze noch höher sein als sonst, warnt der Verband -– auch weil Unterkünfte für Zehntausende Flüchtlinge gebraucht werden.

Rund 335 000 Menschen hatten nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) im vergangenen Jahr in Deutschland keine Wohnung. Die Mieten seien zu hoch, die Zahl der Sozialwohnungen zu gering. In drei Jahren könnten schon fast 540 000 Menschen wohnungslos sein, meint der Verband. Denn zu dieser Statistik werden auch Asylbewerber in Erstunterkünften mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus gezählt.

Die Zahl preiswerter Wohnungen und Unterbringungsmöglichkeiten aber wachse nicht mit. Solange sich daran nichts ändere, komme es zu einer „unguten Konkurrenz von Zielgruppen“, sagt BAGW-Geschäftsführer Thomas Specht. „Ob es Verteilungskämpfe zwischen Wohnungslosen und Flüchtlingen geben wird, hängt davon ab, wie die Bundesregierung reagiert.“

„Nicht allein auf Flüchtlinge konzentrieren“

Bei der Notversorgung dürften sich Kommunen und Träger jetzt jedenfalls nicht allein auf Flüchtlinge konzentrieren, fordert der Verband. „Die Anstrengungen müssen für jede Zielgruppe gemacht werden.“ Obdachlose dürften keine Hilfsbedürftigen zweiter Klasse werden.

Doch so fühlten sich die meisten auch gar nicht, sagt Stefan Peter von der Berliner Obdachlosenzeitung „Motz“:. „Ich bekomme keine Unterhaltungen von Zeitungsverkäufern über solche Ängste mit.“ Natürlich werde der Wohnraum längerfristig wohl knapper. Einen Konkurrenzkampf dürfe man aber nicht herbeireden. Die Notunterkünfte seien ja immer voll.

Auf der Straße hätten Obdachlose doch ohnehin einen „logistischen Vorsprung“ gegenüber Flüchtlingen, meint Peter. „Sie kennen die Sprache, die Ecken, die Tricks, wo man schlafen kann. Man kann ganz gut überleben.“

„Wir werden alles dafür tun, dass Menschen, die obdachlos sind, in diesem Jahr genauso gut versorgt werden wie in den Jahren zuvor“, verspricht die Diakonie in Berlin und Brandenburg, die mit der Kältehilfe Obdachlose unterstützt. Auch sie habe den Eindruck, die Zahl der Bedürftigen steige, erklärt Direktorin Barbara Eschen. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt sei schlechter geworden.

Die wachsende Zuwanderung sei ein Katalysator und Verstärker, nicht aber das eigentliche Problem, sagt auch Specht. In Deutschland fehlten mindestens 2,7 Millionen kleine Wohnungen. Dadurch kämen viele Obdachlose jahrelang nicht aus den Notunterkünften raus. „Es gibt keinen Übergang in den Wohnungsmarkt, weil der eben dicht ist.“ Die Folge: Auch viele Notunterkünfte sind voll, immer mehr Menschen müssen auf die Straße ausweichen. Rund 39 000 Obdachlose lebten im vergangenen Jahr auf Plätzen, unter Brücken, ohne Dach über dem Kopf.

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