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Konzerte für junge Leute

Gerald Mertens ist Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung mit Sitz in Berlin. Er will die Trendwende Klassik.
Gerald Mertens, Musiker und Jurist

Die Nürnberger Philharmoniker zählten 75 000 Besucher bei ihrem Klassik-Open-Air-Konzert Ende Juli im weitläufigen Stadtteilpark Luitpoldhain. Anfang August lauschten an gleicher Stelle erneut 50 000 Menschen dem Klassiksound der Nürnberger Symphoniker. Besucherzahlen, die man eher bei großen Rock- und Popkonzerten erwartet. Können sich also die Orchester, die Konzert- und Opernhäuser in Bayern entspannt zurücklehnen, weil das Publikum nur so strömt? Nun, ganz so einfach liegen die Dinge nicht. Denn mehrere hundert bis tausend Sitzplätze in den Konzertsälen, in den Staats- und Stadttheatern im Freistaat müssen jeden Tag aufs Neue gefüllt werden. Sagten Publikumsstudien in den 1990er Jahren noch einen drastischen Rückgang des Klassikpublikums voraus, ist inzwischen ein gegenläufiger Trend zu beobachten: Das Interesse für klassische Konzerte ist wieder gewachsen, regional unterschiedlich, aber national spürbar.

Diese „Trendwende Klassik“ ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist vielmehr ein Resultat der vielfältigen Bemühungen auch der bayerischen Orchester, Theater und Opernhäuser, noch gezielter auf Kinder, Jugendliche, Familien und junge Erwachsene zuzugehen. Es gibt kein Orchester, das nicht in den letzten 15 bis 20 Jahren neue Education- und Musikvermittlungsangebote entwickelt hat: vom „Spielfeld Klassik“ der Münchner Philharmoniker bis zu „Musik plus“ und „Orchester mobil“ der Würzburger Philharmoniker, von „BR Young“, dem Klassik-Angebot für junge Menschen bis 28 der BR-Klangkörper, bis zu Schüler- und Familienkonzerten sowie Probenbesuchen der Bad Reichenhaller Philharmoniker. Diese Aktivitäten gilt es auszubauen.

Bundesweit haben sich seit der Spielzeit 2003/04 die Musikvermittlungsangebote der Orchester und Rundfunkensembles, die Zahl der Kinder-, Familien und Schülerkonzerte auf über 6300 Veranstaltungen (Spielzeit 2017/18) fast verdoppelt. Besonders groß ist das Engagement der Hofer Symphoniker, die sich selbst explizit als „Kulturunternehmen“ verstehen und als einziges Orchester bundesweit eine eigene Musikschule betreiben. Hier wird der Publikums- und Musikernachwuchs ganz direkt schon im Kindergarten- und Grundschulalter angesprochen. So sollte es eigentlich überall sein.

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