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Krankenkassen: Den großen Wurf wagen

Teure, wenig weitreichende Reformen, wie sie derzeit praktiziert werden, schaden der Versichertengemeinschaft.
Sigrid König, Krankenkassen-Expertin

Sigrid König ist Vorständin des BKK Landesverbandes Bayern Foto: BKK Landesverband Bayern
Sigrid König ist Vorständin des BKK Landesverbandes Bayern Foto: BKK Landesverband Bayern

Nahezu täglich sprudelt der Bundesgesundheitsminister eingeflüsterte oder selbst kreierte Ideen heraus und seine Reformpläne werden im Stakkato öffentlich. Die Selbstverwaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) treibt er vor sich her. Doch was ist das Ziel dieser Reformen? Eine Politik, die Krankenkassen zwingt, ihre Finanzautonomie beim Bundesgesundheitsministerium abzugeben, ist alles andere als innovativ und sie ist nicht im 19. Jahr des 21. Jahrhunderts angekommen.

Aus der Psychoneuroimmunologie und der Epigenetik wissen wir um diese enormen gesundheitlichen Potenziale. Beide Wissenschaftszweige erklären uns überzeugend, dass unsere Einstellungen und unsere Lebensweise unsere Gene, unsere Zellen, unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem und unsere Psyche beeinflussen. Der Bundesgesundheitsminister sollte das Thema Selbstverantwortung sowohl aufseiten der GKV, als auch der Versicherten beherzigen und den großen Wurf im Sinne einer Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung wagen. Gesundheit ist kein statisches Gut, sondern ein lebenslanger Prozess, der von jedem gestaltbar ist. Daher müssen wir nachhaltige, grundsätzliche Reformen angehen: Zum einen müssen wir die Finanzierung in der GKV solidarisch neu gestalten. Das heißt, das Geld muss dort ankommen, wo es für die Versorgung benötigt wird. Zum anderen müssen wir die Gesundheitsversorgung ganzheitlich angehen. Im Klartext heißt das, die Selbstverantwortung der Versicherten zu stärken, statt sie durch Über- und Fehlversorgung zu schwächen.

Teure, wenig weitreichende Reformen, wie sie derzeit praktiziert werden, schaden der Versichertengemeinschaft. Sie kosten die Versicherten schlichtweg nur Geld. Denn schließlich zahlen vor allem die Versicherten, also Sie als Leser dieses Artikels, diese Reformen mit Ihrem Krankenversicherungsbeitrag. Deshalb haben Sie auch einen Anspruch darauf, dass der Minister nicht nur klappert, sondern wirklich etwas für Ihre Gesundheit bewirkt und präventiv etwas für Ihr Gesundheitsbewusstsein tut. Wüssten Sie, wie sehr Sie selbst dazu beitragen können, gesund zu bleiben, wären Sie vermutlich motiviert, die eine oder andere persönliche Situation, die Stress erzeugt und Basis für chronische Krankheiten sein kann, zu verändern.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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