MyMz

Fremdenfeindlichkeit

Krawalle gegen Flüchtlinge in Sachsen

Begleitet von Hetz-Parolen ziehen Flüchtlinge in eine Unterkunft in Bischofswerda. Die Polizei drängt die Krawallmacher ab.

Mehr als 50 Rechtsextreme demonstrieren in Bischofswerda  sich am Freitagabend vor dem früheren Bekleidungsbetrieb und skandierten fremdenfeindliche Parolen.
Mehr als 50 Rechtsextreme demonstrieren in Bischofswerda sich am Freitagabend vor dem früheren Bekleidungsbetrieb und skandierten fremdenfeindliche Parolen. Foto: dpa

Dresden. Nur unter Polizeischutz sind Flüchtlinge im sächsischen Bischofswerda in ihre Notunterkunft gelangt. Rechte Krawallmacher belagerten am Freitagabend die Zufahrt, skandierten ausländerfeindliche Parolen und warfen eine Flasche gegen einen Bus mit Asylbewerbern, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Erst gegen Mitternacht normalisierte sich die Lage wieder: Die etwa 100 Rechten und Dutzende Gaffer verschwanden in der Dunkelheit. Bereits den zweiten Abend in Folge musste die Polizei mit einem großen Aufgebot die Lage vor der Unterkunft beruhigen. Es gab weder Verletzte noch Festnahmen. Die Flüchtlingsunterkunft wird nun besonders geschützt. Die Polizei richtet einen Kontrollbereich ein, in dem ohne zusätzlichen Grund Personen überprüft, Platzverweise ausgesprochen und Aufenthaltsverbote erteilt werden können. Damit solle „potenziellen Störern der Wind aus den Segeln genommen werden“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Samstag in Dresden und verurteilte zugleich das Verhalten der Pöbler. „Es ist beschämend, wie sich Einzelne gegenüber Schutzsuchenden benehmen.“

Eine Gruppe von mehr als 50 Menschen habe sich am Freitagabend vor der Halle versammelt, schilderte der Polizeisprecher. Eine rechte Initiative hatte kurzfristig einen Protestmarsch durch die benachbarten Straßen angemeldet. Zuvor hatte es Aufrufe in sozialen Netzwerken gegeben. Nach einem kurzen Marsch stoppten die Teilnehmer erneut vor dem Heim. Einige versperrten vorübergehend den Zufahrtsbereich zu dem Heimgelände, wie der Sprecher sagte. Sie kamen aber der Aufforderung nach, den Bereich zu räumen.

Hitlergruß und Blockade

Bis in den späten Abend harrten die pöbelnden Menschen vor dem Heim aus. Nach Angaben der Polizei wurde die Gruppe vorübergehend kleiner, zuletzt seien jedoch 80 bis 100 Menschen vor der Unterkunft gewesen. Zwei 18 und 34 Jahre alte Männer zeigten den Hitlergruß. Gegen sie werde nun ermittelt. In der Nacht zu Samstag fuhr ein fünfter Bus mit Flüchtlingen vor.

Bereits die Ankunft der ersten Flüchtlinge in der Nacht zum Freitag war von ausländerfeindlichen Pöbeleien von etwa 50 bis 70 Menschen begleitet worden. Rund 30 Menschen versuchten, die Zufahrt zur Halle zu versperren, waren von den Beamten allerdings abgedrängt worden.

Flüchtlinge als „Chance“

Die Politik streitet weiter über Auswege aus der Flüchtlingskrise. Sachsens Grüne fordern in einem Flüchtlingspapier unter anderem, dass der Bund Kommunen und Länder finanziell entlastet, legale Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die Asylverfahrensdauer verkürzt und Grenzkontrollen sofort beendet werden.

Damit werde keines der Probleme gelöst, sagte Landeschef Jürgen Kasek. „Die Menschen, die zu uns flüchten, müssen wir als Chance begreifen“, mahnte er unter Verweis auf Bevölkerungsrückgang und Arbeitskräftemangel.

Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer verteidigte die Kontrollen mit Verweis auf die Sicherheit der EU-Grenzen. Es sei wichtig, dass jeder, der in die EU einreise, registriert und identifiziert werde. Grenzkontrollen dürften aber nicht die dauerhafte Antwort auf die aktuelle Lage sein. (dpa)

Ein Dossier zum Thema Flucht und Asyl finden Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht