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Kirche

Lässt Papst verheiratete Priester zu?

Franziskus stößt mit seinem Reformkurs auf Widerstand. Hardliner wie Kardinal Müller fürchten einen Angriff auf den Zölibat.
Von Klaus Blume

Papst Franziskus hat mächtige Gegner – nicht nur unter den deutschen Kardinälen, sondern auch in den USA. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Papst Franziskus hat mächtige Gegner – nicht nur unter den deutschen Kardinälen, sondern auch in den USA. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Rom.An diesen Skulpturen schieden sich in Rom die Geister: Fünf Holzfiguren aus Südamerika, die eine unter Indigenen verehrte Muttergöttin darstellen sollen. Zwei Wochen lang standen sie wenig beachtet in der Seitenkapelle einer Kirche nahe dem Petersplatz. Dann kam ein junger Österreicher, packte sie unter den Arm, warf sie in den Tiber und stellte ein Video davon ins Internet. Götzenbilder, so der Mann, gehörten nicht in eine katholische Kirche. Konservative Katholiken applaudierten, der Vatikan verurteilte die Tat.

Der Tiberwurf der Pachamama-Figuren während der Amazonas-Synode machte im Herbst auf seine Weise deutlich, wie in der katholischen Kirche die Frontlinien verlaufen: Reformkräfte um Papst Franziskus auf der einen Seite und konservative Hardliner auf der anderen. Während Franziskus als Bischof von Rom um Verzeihung bat, begrüßte der deutsche Kardinal Walter Brandmüller die Aktion des Wieners als „zeichenhaftes Tun“. Die Synode, die über die Probleme der Amazonas-Region beriet und dabei eben auch eine gewisse Öffnung für indigene Spiritualität zeigte, war konservativen Papstkritikern wie Brandmüller schon vor Beginn ein Dorn im Auge.

Hardliner sehen Angriff auf den Zölibat

Sieben Jahre ist Franziskus im März im Amt. Der erste Pontifex aus Südamerika, der Papst „vom Ende der Welt“, wie er nach seiner Wahl 2013 scherzte, steht vor einer wichtigen Entscheidung. In einem postsynodalen Schreiben wird er seine Schlussfolgerungen aus der Synode ziehen und in eine für die Weltkirche verbindliche Form bringen. Ihm liegt ein Abschlussdokument vor, das es in sich hat. Die Synodenväter – meist Bischöfe aus Lateinamerika – empfehlen darin, wegen des Priestermangels im Amazonasgebiet in Einzelfällen auch verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen. Hardliner wie Brandmüller oder der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller sehen darin einen Angriff auf den Zölibat.

Macht in der Kirche verschiebt sich

  • Katholiken:

    Mit seinen jüngsten Reisen nach Südostafrika, Thailand und Japan reagiert Papst Franziskus auf die Verschiebungen in der Weltkirche. Von den 1 313 278 000 Katholiken – so die vom Vatikan verbreitete Zahl – lebt der größte Teil in Lateinamerika, Afrika und Asien. In Europa stagniert die Zahl der Katholiken bei 285,7 Millionen.

  • Kardinäle:

    Noch ist „der Norden“ unter den Kardinälen überrepräsentiert. Europa stellt 54 von 128 wahlberechtigten Kirchenfürsten, Nordamerika 16.

Wird Franziskus verheiratete Priester zulassen? Wenn er nicht „als Papst der bloßen Ankündigungen“ in die Geschichte eingehen wolle, werde er zumindest für die Amazonasregion eine Lockerung des Pflichtzölibats beschließen müssen, schreibt der Wiener Theologieprofessor Jan-Heiner Tück in einem Beitrag der „Neuen Züricher Zeitung“. Nach Einschätzung des Vatikan-Experten und Buchautoren Marco Politi hat sich bei der Amazonas-Synode – anders als bei der Familiensynode 2015 – die Reformlinie in der Kirche klar durchgesetzt, ein Erfolg für Franziskus. „Dieses Mal gibt es eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine grundlegende Reform in der katholischen Kirche mit lateinischem Ritus“, sagt Politi der Deutschen Presse-Agentur in Rom.

Gegner in den USA

Franziskus‘ Reformkurs hat mächtige Gegner, unter anderem in den USA. Das italienische Magazin „L’Espresso“ sprach – in Anlehnung an die Neokonservativen („Neocons“) – von den US-amerikanischen „Teocons“, an ihrer Spitze Kurienkardinal Raymond Leo Burke. Im Spätsommer sorgte in dem Zusammenhang auch ein Buch des französischen Vatikankorrespondenten Nicolas Senèze mit dem Titel „Wie Amerika den Papst verändern will“ für Aufsehen. Und schon machte das Wort von einem drohenden Schisma, einer Kirchenspaltung, die Runde. „Ich habe keine Angst vor Schismen. Aber ich bete, dass sie nicht passieren“, sagte der Papst im September auf dem Rückflug von Mosambik.

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