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Außenansicht

Langsam – aber glücklich

Gehen und Radfahren schenken doppelt Zeit: Bewegung aus eigener Kraft ist gesund und man erlebt unterwegs immer etwas.
Von Roland Stimpel, Vorstand beim Fachverband für Fußverkehr Deutschland (FUSS)

Foto: Silke Reents
Foto: Silke Reents

Regensburg.Zu Fuß ist man viel zu langsam? Stimmt nicht: Es bringt Genusszeit, Gesundheit und spart Aufwand, den schnellere Verkehrsmittel machen. Verkehr soll schnell sein. Schließlich ist er zum Ankommen da – und nicht dafür, lange Stunden auf der Straße, im Flugzeug oder Zug zu verbringen. Das Dumme ist nur, dass jeder schnelle Verkehr einen Teil der Zeit wieder auffrisst, die hohes Tempo spart. Zur Autobahn, zum ICE-Bahnhof und zum Flughafen muss man erstmal hin und nach dem Ankommen wieder weg. Je schneller ein Verkehrsmittel, desto teurer ist es normalerweise.

Zur Unterwegszeit muss man realistisch die Zeit hinzurechnen, die das Verdienen des Tickets oder des Benzins gebraucht hat. In der Stadt kostet es mit dem Auto oft viel Zeit, einen Parkplatz zu finden und von dort dahin zu gehen, wo man eigentlich hin will. Eine tragische Form von Zeitfraß sind die Unfälle: Ihren Todesopfern stehlen sie Jahrzehnte ihres Lebens.

Bewegung aus eigener Kraft verlängert das Leben

Bei langsamer Bewegung dauert der Weg länger. Aber sie spart auch viel Zeit: Niemand muss erst zu einem Fußparkplatz oder Radbahnhof, bevor der eigentliche Weg beginnt. Schuhe, Fahrräder, Bus- und Bahntickets sind auf den Kilometer gerechnet ziemlich billig, kosten also kaum Arbeitszeit. Zeit für Tanken und TÜV, Werkstatt und Waschanlage braucht man gar nicht. Schließlich schenken das Gehen und auch das Radfahren oft doppelt Zeit: Erstens ist Bewegung aus eigener Kraft gesund und verlängert das Leben. Zweitens erlebt man unterwegs immer etwas – man spürt Sonne oder Wind, begegnet Bekannten, entdeckt etwas Hübsches im Schaufenster und hört Vögel im Baum.

Die Langsamsten sind die Glücklichsten

Das Bundes-Verkehrsministerium hat vor zwei Jahren Menschen nach ihrer Zufriedenheit unterwegs befragen lassen. Das Ergebnis: Die Langsamsten sind die Glücklichsten. Zwar ist auch für Fußgänger längst nicht alles gut, aber sie sparen sich Staus und Fahrstress, holprige Radwege und platte Reifen, das Warten an der Haltestelle und das Geld für den Fahrschein. Natürlich lassen sich längere Alltagswege nicht zu Fuß zurücklegen. Aber für den Weg zum Bäcker gibt es oft die Wahl zwischen zehn Minuten Eile und 20 Minuten Genuss. Man kann auf dem Heimweg von der Arbeit zwei Stationen eher aussteigen oder drei Straßen weiter parken. Zeitverlust? Eher nicht, sondern für Genuss-Geher ein schneller Gewinn.

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