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Lebensmittel retten statt wegwerfen

Wer die Umwelt schonen will, der muss fit werden im Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Das findet unser Gastautor.
Jochen Brühl, Sozialarbeiter

Jochen Brühl ist Vorsitzender Tafel Deutschland e. V. Foto: Wolfgang Borrs
Jochen Brühl ist Vorsitzender Tafel Deutschland e. V. Foto: Wolfgang Borrs

Wer kennt das nicht: Beim Saubermachen des Kühlschranks entdeckt man einen Joghurt, der längst in Vergessenheit geraten ist. Nur leider ist das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD genannt, seit einigen Tagen abgelaufen. Was tun? Ist der Joghurt noch gut? Was, wenn er schlecht ist? Also lieber rasch entsorgen?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert, wenn es um das MHD geht. Häufig wird das MHD mit dem Verbrauchsdatum gleichgesetzt. „Zu verbrauchen bis…“ sind aber ausschließlich Produkte wie Fleisch oder Fisch, deren Verzehr nach Ablauf dieses Datums eine Gesundheitsgefährdung wäre. Die Verwirrung durch unterschiedliche Datumsangaben führt dazu, dass viele Tonnen Lebensmittel vorschnell im Mülleimer landen. Der falsche Umgang mit dem MHD ist ein Grund für die immense Verschwendung. Pro Kopf landen so Jahr für Jahr mindestens 82 Kilogramm Lebensmittel in der Tonne statt auf dem Teller. Auch Händler lassen sich immer noch von diesen Richtwerten in die Irre führen und geben Lebensmittel z. B. nicht mehr an soziale Einrichtungen wie die Tafeln ab oder werfen sie ohne weitere Prüfung in den Müll.

Hier setzt die Tafel Deutschland mit der aktuellen MHD-Kampagne an. Durch Plakate und Flyer informieren wir Verbraucherinnen und Verbraucher über einen richtigen Umgang mit Lebensmitteln. Das Ziel ist es, die Menschen wieder fit zu machen im Umgang mit Müsli, Eiern, Milch oder Kartoffelchips. Das ist notwendig, wenn wir unsere Umwelt schonen statt zerstören möchten. Der anfangs erwähnte Joghurt ist etwa fünf Tage länger haltbar als das MHD angibt. Selbstverständlich nur, wenn er korrekt gelagert wurde. Milch ist zum Teil 28 Tage und länger haltbar und Eier bis zu mehr als 20 Tage.

Bei der MHD-Kampagne geht es nicht darum, ein Datum durch eine neue Datumsangabe zu ersetzen. Es geht darum, die Verbraucherinnen und Verbraucher zum Nachdenken anzuregen und zu ermutigen, wieder auf ihre eigenen Sinne zu vertrauen: durch Anschauen, Riechen, Schmecken sollen sie lernen, den Zustand von Lebensmittel selbst einzuschätzen. Aber auch im Privaten sollte Lebensmittelrettung das Gebot der Stunde sein und nach einer Zeit der Einübung ganz selbstverständlich werden. Denn Lebensmittel retten kann jeder!

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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