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Parteien

Lindner begeistert an Regensburger Uni

Der FDP-Vorsitzende sorgt bei einem Auftritt für ein volles Haus und weiß seine Zuhörer zu unterhalten.
Von Christian Kucznierz

Christian Lindner sorgte für einen ungewöhnlich vollen H24 an der Regensburger Uni. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Freitagnachmittag, die Sonne scheint. Der Hörsaal 24 an der Regensburger Uni ist dennoch brechend voll. So voll, dass die Studenten entlang der Wände und vor den offenen Türen stehen. Der Mann, den sie sehen wollen, steht derweil noch vor der Türe, gibt Autogramme, macht Selfies, schüttelt Hände. Christian Lindner, das ist schnell klar, zieht.

Wer von den Zuhörern auf die große Lindner-Show gewartet hat, wird nicht enttäuscht. Der 39-Jährige zieht als Erstes sein Sakko aus, macht ein paar Witze, die charmant ironisch sind, etwa, dass die FDP es gewohnt gewesen sei, keinen Platz im Bundestag zu haben, nicht aber, dass es keinen freien Platz bei einer FDP-Veranstaltung gebe. Er witzelt über eloquente, gut aussehende 40-Jährige, um dann zu betonen, dass er über Frankreichs Präsident Emmanuel Marcon spreche. Er selbst sei ja erst 39. Und das kommt an.

Zeit für Autogramme und Selfies hatte sich Lindner trotz vollen Terminkalenders genommen. Foto: altrofoto.de

Eigentlich soll er an diesem Tag, der von der liberalen Hochschulgruppe veranstaltet wurde, über Europa sprechen. Das tut der FDP-Chef auch, aber er spricht viel über die seiner Meinung nach falsche Politik der großen Koalition. Er erzählt, wie er im Karneval – der in Bayern Fasching heißt, wie ihm aus dem Saal zugerufen wird – Süßigkeiten in die Menge geworfen habe. Erst gezielt, mit wenig Begeisterung der Menschen entlang der Straßen. Dann wahllos und in Massen. Mit Erfolg. „Alle Kamelle am Boden und die Menschen waren begeistert“, sagt Lindner. Das sei, was Schwarz-Rot in Berlin mache.

Mehr Infos zum Thema finden Sie hier:

FDP hat sich erholt

  • Die FDP in Bayern

    hat gute Chancen auf einen Wiedereinzug in den Landtag: Im aktuellen Bayern-Trend kommt die Partei auf sechs Prozent. Bei der letzten Landtagswahl waren die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, obwohl sie vorher an der Regierung beteiligt war.

  • Christian Lindner

    ist seit 2013 Bundesvorsitzender der FDP. Unter ihm gelang der Partei der Wiedereinzug in viele Länderparlamente und in den Bundestag.

  • Eine Koalition

    aus Union, Grünen und FDP war am Ausstieg Lindners aus den Verhandlungen gescheitert. Es sei „besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ (kc)

In Deutschland lasse sich die Politik von dem Umfragen regieren, in anderen Ländern – seine Beispiele an diesem Nachmittag sind meist die Niederlande und Frankreich – versuche man, die Umfragen zu regieren. Nicht populäre Politik sei nachhaltige Politik. Es gehe um die richtigen Zukunftsentscheidungen, die man dann populär machen müsse. Die Agenda 2010 sei das beste Beispiel dafür. Und das Beispiel, wie man nicht Politik machen dürfe, weder in Deutschland, noch in Europa, sei eine angstbestimmte. Die sieht Lindner exemplarisch am Versuch der CSU, Überfremdungsängste zu schüren und zu instrumentalisieren. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder habe mit seiner Kreuz-Debatte das Land gespalten. Macron oder der niederländische Regierungschef Mark Rutte hätten dagegen Wahlen gegen Populisten gewonnen, weil sie die Offenheit ihrer Gesellschaft in den Mittelpunkt und als Ziel dargestellt haben.

„Das Zeitalter der Vaterländer war zugleich das Zeitalter der europäischen Bruderkriege. Wir tragen heute Streits in Sitzungsräumen aus. Alleine dafür hat sich Europa gelohnt.“

Christian Lindner

Das am häufigsten auftauchende Thema in Lindners Vortrag und den Fragen im Anschluss ist die Digitalisierung. Auch hier vergleicht der FDP-Chef Deutschland mit Frankreich: In Berlin gebe es ein Heimatministerium. In Paris eines für die Digitalisierung. Deutschland sei für die Zukunft schlecht gerüstet, auch, weil die Politik hierzulande das Thema zu wenig mitdenkt, sein generelles Fazit. Das Thema Künstliche Intelligenz sollte ein gesamteuropäisches Projekt werden, um international nicht ins Hintertreffen oder in Abhängigkeit zu geraten. Und damit ist Lindner dann endgültig bei Europa und bei den Rechtspopulisten, die die EU schlechtredeten. Wer ein Europa der Vaterländer fordert, sollte daran denken: „Das Zeitalter der Vaterländer war zugleich das Zeitalter der europäischen Bruderkriege. Wir tragen heute Streits in Sitzungsräumen aus. Alleine dafür hat sich Europa gelohnt.“

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