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Denkmalschutz

Mehr als nur ein Notnagel

Heimat ist in Zeiten der Globalisierung wieder zu einem Schlüsselbegriff geworden. Umso wichtiger wird die Denkmalpflege.
Dr. Ursula Schirmer ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Dr. Ursula Schirmer ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Dr. Ursula Schirmer ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

München.Sie eignen sich sehr für Fest- und Sonntagsreden: restaurierte und neu genutzte Denkmale, fast schon verloren geglaubte Wahrzeichen und Identifikationspunkte der Menschen einer Region. Wenn Eröffnungen gefeiert und neue Nutzungen vorgestellt werden, sind die oft langen Kämpfe um den Erhalt vergessen. Und manchmal auch die, die sie erfolgreich und mit langem Atem geführt haben. In Bayern kann die Denkmalpflege mit den ehrenamtlichen Kreis- und Stadtheimatpflegern und den Kirchenpflegern auf eine verlässliche und fachlich versierte Unterstützung bauen. Vereine, Stiftungen, Bürgerinitiativen und ehrenamtliche Ortskuratorien halten nicht nur in den Diskussionen vor Ort die Fahne der Erhaltung und Nachhaltigkeit hoch, sondern werben zunehmend und nicht unerhebliche Spenden für Denkmalprojekte ein.

Den Bürgern ist der Erhalt ihrer Baudenkmale und der gewachsenen Kulturlandschaften wichtig, Heimat und Identität sind gerade in Zeiten der Globalisierung wieder zu Schlüsselbegriffen geworden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als private Stiftung kann diese Entwicklung in ihrer bundesweiten Tätigkeit dankbar feststellen. Doch sollte die zunehmende Unterstützung der Bürger für die Politik und die öffentliche Hand Ansporn sein, kein Grund zum Rückzug. Wenn die Menschen bereit sind, sich für die Bewahrung ihres kulturellen Erbes für die nächste Generation zunehmend ideell und finanziell zu engagieren, wollen sie damit auch die Politik in die Pflicht nehmen. Bürgerschaftliches Engagement in der Denkmalpflege ist mehr als nur der rettende Notnagel, es ist Willensbekundung und Inspiration im Umgang mit der Geschichte.

Eine deutliche Wertschätzung dieses Einsatzes darf sich nicht nur in den Festreden niederschlagen, sondern im praktischen Alltag bei der Ausstattung von Etats und Personalkapazitäten. Das Freiwilligenengagement bedarf einer kompetenten und ausreichenden Betreuung in den Fachämtern und diese entsprechende finanzielle Möglichkeiten. Starkes Bürgerengagement verdient starke Partner und entsprechende Würdigung in der politischen Abwägung der öffentlichen Interessenlagen. Das diesjährige Europäische Kulturerbejahr bietet den idealen Rahmen zur Neubewertung des Alten im Widerstreit der Interessen – die Bürger werden es zu schätzen wissen.

Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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