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Mehr Anerkennung für häusliche Pflege

Osteuropäische Betreuungspersonen müssen in Deutschland mit vielen Vorurteilen leben. Dieses Bild sollte korrigiert werden.
Von Juliane Bohl, Geschäftsführerin der Hausengel PflegeAllianz e.V.

Juliane Bohl, Geschäftsführerin der Hausengel PflegeAllianz e.V.
Juliane Bohl, Geschäftsführerin der Hausengel PflegeAllianz e.V.

Regensburg.Sie arbeiten schwarz, 24 Stunden am Tag, fühlen sich ausgebeutet, verdienen einen Hungerlohn, sind rechts- und versicherungslos, sprechen kaum Deutsch und sind schlecht ausgebildet. Dieses Bild haben viele von osteuropäischen Betreuungspersonen, die in deutschen Privathaushalten in der sogenannten „24-Stunden-Betreuung“ – Betreuung in häuslicher Gemeinschaft – tätig sind. Doch entspricht dieses Bild der Realität?

Wer versorgt die rund 5,4 Millionen Menschen in Deutschland, die ihr Leben nicht mehr ohne fremde Hilfe meistern können und die überwiegend zuhause versorgt werden? Es sind vor allem Angehörige, Freunde und Nachbarn. Aber auch ambulante Pflegedienste und nicht zuletzt Betreuungskräfte aus Osteuropa. Jeder von ihnen leistet einen unersetzlichen Beitrag bei der Versorgung Deutschlands Pflegebedürftiger. Aber warum wird jede dieser Gruppen häufig isoliert betrachtet? Ziehen sie nicht alle an einem Strang und haben sie nicht mindestens einen gemeinsamen Nenner?

Was sie alle benötigen, ist eine gesellschaftliche Anerkennung, eine Auseinandersetzung mit dem Thema und bessere Rahmenbedingungen. Für die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft bedeutet dies vor allem Rechtssicherheit, für die Beteiligte bisher vergeblich kämpfen. Einige Behörden und Institutionen gehen immer noch davon aus, dass Betreuung in häuslicher Gemeinschaft nicht legal erbracht werden kann. Ein leider weit verbreiteter Irrtum.

Auch das Bild, das viele von osteuropäischen Betreuungskräften haben, muss zurecht gerückt werden: Laut einer offiziellen Studie der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland (BAGSS) empfindet die überwiegende Mehrheit der Betreuungspersonen ihr Beschäftigungsverhältnis als fair und durch einen hohen Grad an Autonomie gekennzeichnet. Knapp 98 Prozent der Befragten verfügen über umfassende Erfahrung als Betreuungsperson, 78 Prozent von ihnen besitzen mindestens Abitur. Inzwischen gibt es sogar eine IHK-Ausbildung für diese Betreuungskräfte, damit die Anschlussfähigkeit zur ambulanten Fachpflege sichergestellt werden kann. Ein weiterer wichtiger Schritt, denn Betreuung in häuslicher Gemeinschaft kann und soll die ambulante Fachpflege nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Pflegende Angehörige haben die wertvolle Unterstützung von Betreuungspersonen längst erkannt und entscheiden sich ganz bewusst für diese Versorgungsform, um ihre Lieben gut und professionell betreut zu wissen. Nun müssen nur noch Politik, Behörden und die Lobbyverbände der Pflege nachziehen.

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