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Mehr Beistand für Gewaltopfer

Seit 2017 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung. In Bayern gehen die Uhren jedoch anders.
Von Andrea Erl

Andrea Erl ist Mitarbeiterin im Frauennotruf Regensburg e.V.
Andrea Erl ist Mitarbeiterin im Frauennotruf Regensburg e.V.

Im Rahmen der psychosozialen Prozessbegleitung leisten geschulte PädagogInnen professionellen Beistand und begleiten Opfer von Gewaltdelikten vor Gericht. Die gesetzliche Grundlage dafür hat der Bund mit der letzten Reformierung des Opferrechtsreformgesetzes geschaffen. Seit 2017 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung für bestimmte Opfergruppen.

In vielen Bundesländern wird dies seit Jahren erfolgreich praktiziert. In Bayern gehen die Uhren jedoch wieder mal anders. Knapp 30 psychosoziale Prozessbegleitungen gibt es derzeit in Bayern – viel zu wenige – trotzdem haben diese nur spärlich zu tun. Warum läuft dieses Angebot so schleppend an? Das bayerische Staatsministerium schult zwar weiter ProzessbegleiterInnen, hat es aber bislang versäumt, dieses Angebot bekannt zu machen. Bei Polizei und Justiz mangelt es an Kenntnis und Information. Nach über einem Jahr ist dieses Instrument in Bayern noch weitgehend unbekannt.

Es fehlen die dringend notwendigen Schulungsangebote für die Kriminalpolizei und Justiz, es fehlt gedrucktes Informationsmaterial als Handreichung. Die unzureichende Umsetzung erfolgt auf dem Hintergrund einer hohen Dunkelziffer von Gewaltdelikten. Insbesondere Sexualdelikte werden von den Opfern nur in seltenen Fällen zur Anzeige gebracht. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 11 282 Fälle von Vergewaltigung angezeigt – die Dunkelziffer wird jedoch auf ca. 200 000 Fälle geschätzt. Hinzu kommt eine äußerst geringe Verurteilungsquote von 8,4 Verurteilungen auf 100 Anzeigen. Abschreckend wirken außerdem quälende und wiederholte Befragungen und somit die erneute Konfrontation mit dem Schmerz. Genau hier soll die psychosoziale Prozessbegleitung ansetzen, um traumatisierte Opfer zu entlasten.

In den Augen der Justiz sind die Opfer lediglich Zeugen, die zur Aufklärung der Wahrheit beitragen sollen. Vor Gericht müssen die Opferzeugen, sofern es sich nicht um Kinder handelt, ihre Aussage in Anwesenheit des Beschuldigten machen. Dies löst häufig extreme Ängste aus. Genau hier stehen die ProzessbegleiterInnen zur Seite, helfen Ängste abzubauen und führen durch den gesamten Gerichtsprozess. Wenn das bayerische Staatsministerium es ernst meint dieses wichtige Angebot zu etablieren, wird es Zeit zu handeln!

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