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Politik
Mittwoch, 15. August 2018 26° 3

Diplomatie

Merkel besucht Donald Trump

Viele Konflike, wenig Zeit: Die Kanzlerin und der US-Präsident bemühten sich um einen positiven Eindruck in schweren Zeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde von US-Präsident Donald Trump herzlich empfangen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde von US-Präsident Donald Trump herzlich empfangen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Washington.Bei der Lady aus Berlin versucht es der amerikanische Haudrauf mit Charme. Schon bevor Donald Trump die Bundeskanzlerin im Weißen Haus empfängt, tut er erst einmal kund, wie sehr er sich auf die Begegnung mit Angela Merkel freut und lässt verbreiten, wie stolz er doch sei, der Enkel eines deutschen Einwanderers in die USA zu sein. Lächeln, Küsschen bei der Ankunft – und auch den Handschlag, beim ersten Besuch Merkels trotz mündlicher Ermahnung der Kanzlerin noch ausgefallen, bekommt Trump diesmal unfallfrei hin.

„Es ist eine große Ehre, Kanzlerin Merkel hier zu haben“, sagte Trump. „Sie ist eine außergewöhnliche Frau“, sagt er, nachdem er die „großartige Beziehung“ zwischen beiden unterstreicht, die nie schlecht gewesen sei, was selbstverständlich in der Öffentlichkeit missverstanden worden sei.

Merkel spricht Probleme offen an

Doch Charme hin und Macht der Bilder her: So richtig warm werden dürften Merkel und Trump wohl nicht mehr miteinander, das macht ihr Umgang miteinander klar. Merkel hatte sich vorgenommen, in den gut zweieinhalb Stunden mit Trump erst gar nicht zu versuchen, die Streitthemen irgendwie zu umschiffen. Zwistigkeiten, so ihr Credo, müssen notfalls halt auch einmal ausgetragen werden, Zukleistern hilft nicht.

„Es ist eine große Ehre, Kanzlerin Merkel hier zu haben.“

Donald Trump, US-Präsident

Der Ärger des Präsidenten über sein Riesen-Handelsdefizit auch mit Deutschland, die teuren deutschen Autos auf den US-Straßen, den aus seiner Sicht viel zu geringen Beitrag Berlins zur Nato, die Nordstream-Gas-Pipeline, die er als Unterstützung für Putins Russland anprangert und die Iran-Frage: In jedem Punkt wollte Merkel ihm ihre Haltung auffächern – und natürlich bei ihrer Position bleiben. Lediglich ein paar symbolische Angebote bringt Merkel mit, etwa Erleichterungen für den Zugang kleinerer US-Unternehmen zum deutschen Markt.

Handelskrieg muss verhindert werden

Der vielzitierte Handelskrieg wird vor dem Stichtag 1. Mai, an dem Trump über die weitere Aussetzung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium für die EU entscheiden will, zum Nervenkrieg. Der Präsident verlangt als Vorleistung Zugeständnisse, etwa ein Einfrieren der Stahlexporte. Das ist eher ein Trick, hatte ihm Handelsminister Wilbur Ross die Obergrenzen doch schon in der Ministeriumsvorlage als Alternativen zu Zöllen angeboten. Die Europäer wollen das nicht mitmachen. Sie pochen darauf, dass Trump erstmal die Ausnahmen verlängert – danach könne man über vieles reden.

Washington-Korrespondent Karl Doemens analysiert die Lage zwischen Europa und den USA in seinem Leitartikel.

Doch offen und hart mag Merkel als Reaktion auf Trumps Zollstrafaktionen auch noch nicht mit Sanktionen drohen – sie weiß, dass Deutschland das Verhältnis zu den USA nicht aufs Spiel setzen darf, auch wenn der Präsident Trump heißt. Sie setzt darauf, dass ein massiver Handelskrieg – wenn schon nicht mit China dann doch wenigstens mit der EU – noch verhindert werden kann. Auf Trumps wilde Drohungen zu reagieren, will die Kanzlerin vermeiden. Trumps Methoden lehnt sie ab.

Merkel will aber den Eindruck verwischen, dass der Franzose Emmanuel Macron, gerade von einem Staatsbesuch mit viel Pomp aus Washington zurückgekehrt, der ersten Ansprechpartner der USA in Europa ist. Für Merkel bleibt da nur der Grundsatz, den sie mit Putin pflegt: Miteinander zu reden ist besser, als nicht miteinander zu reden. Auch wenn es noch so schwierig und mühsam ist. (dpa)

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