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Benefizkonzert

Mit Musik gegen Depression

Sänger und Musiker greifen ein tabuisiertes Thema auf. Mit Liedern von Einsamkeit und Hoffnung helfen sie Betroffenen.
Von Michael Scheiner

Rezitator Tore Waldhausen beleuchtete eindrucksvoll die facettenreiche Krankheit Depression. Foto: Scheiner
Rezitator Tore Waldhausen beleuchtete eindrucksvoll die facettenreiche Krankheit Depression. Foto: Scheiner

Regensburg.Für diese Stimme könnte man sterben. Ein Gedanke, der eigentlich die Intention des Konzertes in der Neupfarrkirche auf den Kopf stellte. Countertenor Franz Vitzthum und Dirigent Robert Göstl haben mit dem Kammerchor Vox Animata und befreundeten Musikern ein Benefizkonzert auf die Beine gestellt, das dem Verein „Irren ist menschlich“ und dem Regensburger Bündnis gegen Depression zugutegekommen ist. In einem weitgespannten Programm aus Texten, Liedern und Instrumentalmusik war der Tod zwar immer präsent, als Andeutung, Gefühl oder konkreter Gedanke. Die beiden Künstler verbanden damit allerdings den Wunsch „mit Musik Trost zu spenden“ und Perspektiven aufzuzeigen, „wo Perspektivlosigkeit die Übermacht gewinnt“, wie sie im Programmheft schreiben.

Zwischen rasender Verzweiflung und keimender Hoffnung

Mit dem Volkslied „Wann das Singen ned war“ verbreiteten Frauenstimmen, begleitet von Gertrud Wittkowsky auf der Zither und Jörg Meders einfühlsamen Spiel auf der Gambe, ein starkes Gefühl von Hoffnung. Die düstere Seite des inhaltlichen Anliegens kam in Johannes Brahms’ traurigem „In stiller Nacht“ und noch intensiver in Johann P. Kriegers „An die Einsamkeit“ spürbar zum Tragen. Vitzthum sang diese Klage in unvergleichlicher Klarheit, zart begleitet von den Instrumentalisten, zu denen sich auch Göstl auf der Orgel gesellte.

Welche ungeheuren, widerstreitenden Kräfte in von Depression betroffenen Menschen toben, machten Texte deutlich, die Tore Waldhausen aus dem Tagebuch seiner Freundin vortrug. Zwischen rasender Verzweiflung, keimender Hoffnung und Momenten, in denen sie die „Wunderbarkeiten des Lebens“ wahrnimmt, konnten die Zuhörer alle Facetten der häufig noch tabuisierten Krankheit mit durchleben. In der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Kirche entfaltete das höchst eindrucksvoll gestaltete Programm mit melancholischen Liedern von John Dowland und Antonio Vivaldi, Max Regers „Nachtlied“ bis zu zeitgenössischen Chorstücken von Eric Withacre und Erik Runestads hymnischem Appell „Please Stay“ eine großartige dramaturgische Wirkung. Dazu passte die „Verwandlung“, die sich im Tagebuchausschnitt ankündigte, den Waldhausen rezitierte.

Am Ende steht Louis Armstrongs „Wonderful World“

Bevor sich alle Sänger gemeinsam mit einem gefühlvollen Arrangement von Louis Armstrongs „Wonderful World“ – ohne Fragezeichen wie im Programmtitel – hoffnungsfroh verabschiedeten, sang Sopranistin Monika Lichtenegger kraftvoll Franz Schuberts Loblied „An die Musik“. Pfarrer Thomas Koschnitzke, der das Publikum begrüßt hatte, zeigte sich hocherfreut über den unerwartet starken Zuspruch und die Spendenfreudigkeit.

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