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Politik
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Umwelt

Mit Trassen auf dem Holzweg

Die geplanten Strom-Autobahnen bergen Gefahren für die dezentralen Energiewende. Erdverkabelung löst das Problem auch nicht.

Dr. Herbert Barthel ist Referent für Energie und Klimaschutz beim Bund Naturschutz.
Dr. Herbert Barthel ist Referent für Energie und Klimaschutz beim Bund Naturschutz.

Regensburg.Der Bund Naturschutz in Bayern und viele Bürgerinitiativen lehnen die geplanten Gleichstromtrassen Suedlink und Süd-Ost als Hindernis für eine dezentrale Energiewende der Bürgerschaft und Stadtwerke ab. Engagierter Klimaschutz und sofortiger Atomausstieg sind wichtiger denn je. Dafür benötigen wir keine Stromautobahnen sondern mehr Energiesparen, mehr Energieeffizienz und den naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bayern. Das Ziel einer Versorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien muss auch in Bayern noch vor dem Jahr 2050 erreicht werden. Windenergie- und Fotovoltaikanlagen an den richtigen Standorten ernten die Energie dezentral, umweltschonend und flächig über unsere Heimat verteilt.

Dafür braucht Bayern eine Wende hin zu dezentralen Energie-Strukturen. Eine zentralistische Netzausbauplanung mit neuen Übertragungsnetzen, wie die Gleichstromtrassen Suedlink und Süd-Ost, sind der falsche Weg. Stattdessen müssen vor Ort Bürgerenergiegesellschaften und Stadtwerke der Kommunen unterstützt werden.

Ziel für die Zukunft muss ein regionales Strommanagement sein, das die fluktuierenden Stromquellen Wind und Sonne mit regionalen und flexiblen Stromquellen unterstützt. Also zusätzlich zu Fotovoltaik und Windrädern regional steuerbarer Strom aus dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung, wie beispielsweise Biogas-Block-Heiz-Kraft-Werken, und aus regionalen Batterien in Quartierspeichern.

Der geplante überdimensionierte Übertragungs-Netzausbau in Deutschland, gemeinsam mit der Novellierung des EEG vom 8. Juli, ist der Todesstoß für die Energiewende.

Am 10. August endete die Konsultation der Bundesnetzagentur zu ihren Entwürfen für zukünftige Eigenkapitalzinssätze für die Elektrizitäts- und Gasnetzbetreiber. Die Bundesnetzagentur legt die Zinssätze fest, die die Netzbetreiber für ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung ansetzen dürfen. Die resultierenden Kosten tragen die Stromkunden. Die Zinssätze sollen für Neuanlagen von 9,05 auf 6,91 und für Altanlagen von 7,14 auf 5,12 Prozent gesenkt werden. Im risikolosen Oligopol-Markt der Übertragungs-Netzbetreiber ist dies immer noch viel zu hoch. Zum Vergleich: Die zehnjährigen Bundesanleihen sind aktuell auf etwa minus 0,2 Prozent gesunken. In den vergoldeten Anlagemöglichkeiten für Finanzinvestoren der Übertragungs-Netzbetreiber kann man das eigentliche Interesse hinter der überdimensionierten Übertragungsnetzplanung sehen.

Eine Stromversorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien benötigt lokale und regionale Netzstabilisierung, Netzdienlichkeit und Anreize für regionalen Last- und Leistungsausgleichs. Die Dynamik der fluktuierenden Stromquellen Windenergie und Sonnenenergie führt zu hohen regionalen elektrischen Leistungsspitzen. Die Physik von Strom aus Wind und Sonne erfordert daher vorrangig eine Verbesserung und einen Ausbau regionaler Infrastrukturen, wie der Verteilernetze, wie der dezentralen KWK, wie neuer Quartierspeicher auf Basis von Batterien. Die Energiewende erfordert dezentrale Konzepte. Kommunen mit Stadtwerken und Bürgerenergie-Gesellschaften sind Basis einer nachhaltigen Energiewende.

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