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Soziales

Neue Angebote für Familien

Die Kindertageseinrichtungen müssen viel stärker auf die persönlichen Bedürfnisse der Eltern eingehen.
Von Maria Magdalena Hellfritsch

Maria Magdalena Hellfritsch ist Geschäftsführerin Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V.
Maria Magdalena Hellfritsch ist Geschäftsführerin Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V.

Regensburg.Familienorientierung in katholischen Kindertageseinrichtungen? Ja bitte! Aber, was müssen Kindertageseinrichtungen anbieten, um den Bedarfen der modernen Familien gerecht zu werden? Kann das pädagogische Personal in Kindertageseinrichtungen die heterogenen Lebenslagen und Lebensstile der Familien aufgreifen, ohne zu Leistungserbringern zu werden, die Eltern nur als „Kunden“ betrachten?

Eine familienorientierte Kindertageseinrichtung unterstützt Eltern mit einem vielfältigen Angebot, ihren eigenen Weg zu meistern. Eine Vorstellung von der idealen Familie, die dem entspricht, was die Arbeitswelt, die Öffentlichkeit, die Politik von ihr erwartet, gibt es dabei nicht. Das Bild der Familie hat sich stark gewandelt. „Die Familie“ gibt es nicht mehr! Vielfältige Familienformen sind an die Stelle der sogenannten „Normalfamilie“ getreten. Doch die zentralen Bedürfnisse von Familien sind heute wie gestern die gleichen. Familie will zuallererst ein Ort sein der Sicherheit und Geborgenheit; ein Ort des Vertrauens, der Solidarität und bedingungslosen Wertschätzung. Sie ist ausgerichtet auf Dialog, will Liebe und Werte miteinander teilen. Auf dieser Grundlage wird die Lebenswelt „Familie“ auch zum Resonanzboden für die religiöse Erziehung.

Wer mit Eltern auf Augenhöhe zusammenarbeiten will, muss deren Lebenswelten ‚von innen heraus‘ verstehen, muss wissen, was für sie Vater- und Muttersein bedeutet, welche Werte, Lebensstile und Rollenbilder gelebt werden, welche Bedürfnisse sie haben und welche Erziehungsideale sie verfolgen. Die Mehrheit der Eltern mit Kleinkindern befürwortet heute ein Lebensmodell, in dem beide Eltern in ähnlichem Umfang erwerbstätig sind und sich gemeinsam um die Fürsorgearbeit kümmern. Aber nur wenige Eltern schaffen es bislang, ein solches Modell tatsächlich zu leben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird nicht selten zum täglichen Spagat.

Mit dem Leitwort „Familienorientierung“ kommen die veränderten Herausforderungen an die Kindertageseinrichtungen in den Blick. War die Aufmerksamkeit der pädagogischen Bemühungen in Kindertageseinrichtungen in der Vergangenheit auf das individuelle Kind gerichtet, so rückt die Einbindung der Familie einschließlich ihres sozialen Kontextes zunehmend in den Fokus.

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass Kinder immer weniger Zeit in ihren Familien verbringen und immer früher und immer länger in Kindertageseinrichtungen betreut werden. Das bestätigen zwei Trends, die sich mit Blick auf die Betreuungsquoten in Kindertageseinrichtungen abzeichnen: Zum einen steigt für alle Altersbereiche die Nachfrage nach Ganztagesplätzen. Zum anderen sind besonders Plätze für Kinder ab dem ersten Lebensjahr nachgefragt. Kindheit verlagert sich somit sehr früh von der privaten Sphäre der Familie in den Lernort Kindertageseinrichtung.

Kindertageseinrichtungen müssen Lebensorte für Familien sein, Mitwirkung ermöglichen, Begegnungsmöglichkeiten schaffen, Gemeinschafts-, Beratungs- und Bildungsangebote auf Augenhöhe bereitstellen. Nicht nur unter Berücksichtigung der zunehmenden Zahl von Familien mit Migrationshintergrund wird das Ausmaß dieser Anforderung deutlich. Kulturelle und religiöse Vielfalt, Integration und Inklusion sind die Schlagworte, auf die Kindertageseinrichtungen mit der konzeptionellen Weiterentwicklung ihrer Arbeit antworten müssen.

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