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Kommentar

„Nie wieder“ ist zu wenig

Ein Kommentar von Christian Eckl

Häufig hört man diese Worte dann, wenn das Schreckliche passiert ist: „Nie wieder!“ Nie wieder sollen Juden in Deutschland Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen. Nie wieder sollen sie um ihr Leben fürchten. Nie wieder sollen sie darüber nachdenken müssen, ob ihnen die Auswanderung das Leben retten kann. Auf deutschem Boden wurde eine Diktatur errichtet, übrigens von einer Mehrheit der Deutschen gewählt, die das größte Menschheitsverbrechen organisierte: Den Mord an sechs Millionen Juden. Da muss es Staatsräson sein, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen.

Gerade deshalb dürfen die Regensburger Bürger stolz darauf sein, dass in ihrer Stadt heuer eine Synagoge errichtet wurde, die sie vor 80 Jahren niederbrannten. Und es stand der Stadt vergangene Woche gut zu Gesicht, eine Mahnwache abzuhalten, als die schrecklichen Nachrichten aus Halle das Land und die ganze Welt erschütterten.

Dass die Politik, die sich nun in Solidaritätsbekundungen hinter jüdische Mitbürger stellt, mit zweierlei Maß misst, lässt sich auch am Abstimmungsverhalten der Bundesrepublik in den Vereinten Nationen ablesen. 16 Mal wurde Israel und damit die einzige echte Demokratie im Nahen Osten letztes Jahr mit den Stimmen aus Deutschland gerügt. Das Mullah-Regime im Iran, das Homosexuelle steinigt und Frauen nach einer Vergewaltigung wegen Ehebruchs auspeitschen lässt, lediglich einmal.

Doch der Satz „Nie wieder“ bleibt nur ein Lippenbekenntnis, wenn wir die Ursachen für den neuen und die Wurzel des alten Antisemitismus nicht bekämpfen. „Nie wieder“ bedeutet, Solidarität zu zeigen mit einem Land, das von Feinden umgeben ist und stets um seine Existenz bangen muss. „Nie wieder“ bedeutet, sich nicht an den Iran anzubiedern, dessen Mullah-Schergen die Zerstörung Israels fordern und den Holocaust leugnen. „Nie wieder“ bedeutet, vor Ort Solidarität zu zeigen mit Menschen, die uns eine zweite Chance gaben, nachdem wir ihre Vorfahren, unsere Nachbarn, in die Gaskammern geschickt haben.

„Nie wieder“ darf nie wieder nur ein Lippenbekenntnis sein. Sondern gelebte Solidarität – ohne Bedingungen.

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