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Frankreich

Terror in Nizza: Lkw richtet Massaker an

In Nizza tötet ein Mann mit einem gemieteten Lkw mehr als 80 Menschen. Unter den Opfern sind auch mindestens drei Deutsche.

Rettungskräfte nach dem Angriff in Nizza.
Rettungskräfte nach dem Angriff in Nizza. Foto: afp

Paris.Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in der Hafenstadt Nizza mehr als 80 Menschen getötet worden – darunter mindestens drei Deutsche. Zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule wurden zunächst vermisst. Das Bezirksamt von Berlin-Charlottenburg hat dann am Nachmittag den Tod von zwei Schülern und einer Lehrerin beim Attentat von Nizza bestätigt. „Wir sind zutiefst bestürzt“, erklärte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann am Freitag. Aus der Mitteilung ging nicht hervor, ob es sich um Schülerinnen oder Schüler handelte.

Zahlreiche weitere Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve verletzt, als ein Lastwagen am Donnerstagabend auf einer Strecke von zwei Kilometern durch eine feiernde Menschenmenge auf der berühmten Uferstraße Promenade des Anglais raste. Medienberichten zufolge brach Panik aus. Polizisten erschossen den Fahrer. Cazeneuve sprach von einem Terroristen, Präsident François Hollande von einem terroristischen Charakter der Tat.

Dem Staatschef zufolge gab es bisher keine Hinweise auf Komplizen. Unter den Toten seien auch Kinder. „Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen“, sagte er in Paris. Für 9 Uhr berief Hollande eine Sitzung des für Sicherheit und Verteidigung zuständigen Kabinetts ein. Anschließend wollte er mit Ministerpräsident Manuel Valls nach Nizza reisen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Weltweit reagierten Politiker bestürzt auf den erneuten Anschlag in dem Land.

Schülergruppen aus Bayern waren in Nizza

Zum Zeitpunkt des blutigen Anschlags von Nizza mit mehr als 80 Toten waren auch mindestens zwei Schülergruppen aus Bayern in der südfranzösischen Stadt. Alle Schüler und Lehrer seien wohlauf, berichteten die beiden Schulleiter am Freitag auf Anfrage: eine Gruppe von 24 Elftklässlern des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen und eine Gruppe von 16 Elftklässlern des Münchner Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, jeweils mit zwei Lehrkräften. Zumindest ein Teil der Garmischer Schüler hielt sich nach Angaben von Schulleiter Tobias Schürmer ganz in der Nähe des Anschlagsorts auf. Nach der Rückkehr stehe bei Bedarf auch ein Schulpsychologe bereit.

Unser Leitartikel zum Anschlag von Nizza:

Kommentar

Anschlag auf unsere Werte

Fassungslos schaut die Welt auf Nizza. Die Küstenstadt am Mittelmeer, die eigentlich für Sommer, Sonne, Meer und unbeschwertes Leben steht, wurde ausgerechnet...

Zwei Kinder sterben im Krankenhaus

Mindestens 50 Kinder werden aktuell im Krankenhaus behandelt – zwei von ihnen sind am Freitagmorgen bei einer Notoperation gestorben. Ob Deutsche darunter sind, ist noch unklar. „Nach Auswertung aller bisher vorliegenden Informationen können wir nicht ausschließen, dass auch Deutsche betroffen sind“, teilte eine Sprecherin am Freitag in Berlin mit. Ein Konsularteam des Generalkonsulats Marseille sei auf dem Weg in die südfranzösische Küstenstadt, um vor Ort die Lage aufzuklären und gegebenenfalls betroffenen Deutschen Hilfe und Beistand zu leisten. „Das Krisenreaktionszentrum in Berlin, die Botschaft Paris und das Generalkonsulat Marseille stehen in engstem Kontakt mit den zuständigen französischen Stellen und arbeiten mit Hochdruck daran, Gewissheit zu erlangen“, sagte die Sprecherin. Man müsse davon ausgehen, dass dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Bei dem Anschlag in Nizza waren mindestens 84 Menschen getötet worden.

Crisitan Estrosi, Bürgermeister von Nizza, schrieb auf seinem offiziellen Twitter-Account: „Das ist das schlimmste Drama in der Geschichte von Nizza. Über 70 Todesopfer wurden bereits gemeldet.“

Passanten wurden auch beschossen

Der Ausschnitt aus Google Earth zeigt den Abschnitt der Promenade des Anglais in Nizza, Frankreich. Foto: dpa
Der Ausschnitt aus Google Earth zeigt den Abschnitt der Promenade des Anglais in Nizza, Frankreich. Foto: dpa

Die Promenade des Anglais ist eine der bekanntesten Flaniermeilen Europas. Der Zeitung „Nice Matin“ und dem Regionalpolitiker Christian Estrosi zufolge sollen die Passanten nicht nur umgefahren, sondern auch beschossen worden sein. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise am Freitag berichtete, soll es sich um einen 31 Jahre alten Franzosen tunesischer Herkunft handeln, der in Nizza gewohnt hat. Seine Papiere seien in dem Lastwagen gefunden worden. Außerdem entdeckte die Polizei eine funktionsunfähige Granate und Feuerwaffen-Attrappen in dem Fahrzeug. In dem an der Promenade des Anglais gelegenen Luxushotel Negresco wurde ein behelfsmäßiges Lazarett eingerichtet. Das Auswärtige Amt in Berlin riet dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien informiert zu halten.

Ein Bild der Rettungsmaßnahmen, getwittert von der Nice-Matin:

Hollande kündigte an, dass der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnahmezustand, der am 26. Juli beendet werden sollte, um drei weitere Monate verlängert werden soll. Das Parlament solle darüber in der kommenden Woche entscheiden.

„Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht“, sagte der Staatschef. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden. Hollande kündigte eine Verstärkung der französischen Aktivitäten im Irak und in Syrien an. Dort beschießen französische Flugzeuge als Teil der internationalen Koalition Angriffe gegen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

„Der 14. Juli, der Tag an dem Frankreich seinen Nationalfeiertag begeht, steht für die Werte der französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt.“

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Hollande: „Der 14. Juli, der Tag an dem Frankreich seinen Nationalfeiertag begeht, steht für die Werte der französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt“, hieß es in dem Schreiben laut Bundespräsidialamt.

Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. US-Präsident Barack Obama erklärte: „Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten.“ Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, ordnete Trauerbeflaggung in der Hauptstadt an.

Nach dem Anschlag in Nizza ist Frankreich in einem Schockzustand:

80 Tote bei Anschlag mit Lkw in Nizza

149 Terror-Tote im vergangenen Jahr

Frankreich war wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft hatte ein Mann, der sich zum IS bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht.

Das Turnier fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt – wie auch die Feiern zum Nationalfeiertag. Für die traditionelle Militärparade auf den Champs-Élysées in Paris wurden rund 11 500 Sicherheitskräfte mobilisiert. Am Nationalfeiertag wird der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der Französischen Revolution gilt. (dpa)

Die aktuellen entwicklungen in Nizza lesen Sie in unserem NewsBlog:

Islamistischer Terror in Europa: Das MZ-Spezial zum Thema finden Sie hier.

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