MyMz

NS-Vergleich: Müllers Predigt schlägt Wellen

Die Medienschelte des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller im Missbrauchsskandal ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Foto: altrofoto.de

Die Medienschelte des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller im Missbrauchsskandal sorgt weiterhin für Diskussionen. Der Bayerische Rundfunk (BR) veröffentlichte am Montag mehrere Zitate aus dem Mitschnitt der umstrittenen Predigt. Der BR hatte berichtet, Müller habe die Berichterstattung in den Medien mit der kirchenfeindlichen Haltung des NS-Regimes verglichen.

Der Bayerische Rundfunk hält an seiner Darstellung zur Predigt des Bischofs vom Samstag fest, teilte der BR mit. Das BR-Regionalstudio in Regensburg verweist auf den Mitschnitt der Predigt mit den entsprechenden Passagen. Das Bistum habe versucht, die Ausstrahlung per SMS an die BR-Redaktion zu verhindern, heißt es in der Pressemitteilung. Der Text ist dieser:

„In einer großen Krisensituation haben Frauen unseres Frauenbundes in Regensburg und in Amberg sich gegen die damals triumphierende, nationalsozialistische Bewegung, diese neuheidnische Ideologie, christentumsfeindlich, menschenfeindliche Ideologie gewandt.“ (…)

„Mut von Frauen in dieser Zeit - das ist etwas was vorbildlich ist und was auch in unserer Gegenwart so unabdingbar bleibt. Auch jetzt erleben wir wieder eine Kampagne gegen die Kirche.“ (…)

„Es geht darum heute, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu erschüttern. Das ist das Ziel dieser Kampagne gegen die Kirche. Die Leute, die vorm Fernsehen sitzen, die Zeitung aufschlagen, denen wird dann suggeriert, und sie werden manipuliert durch zurechtgestutzte und verkürzte Berichte, durch ständige Wiederholungen von Vorgängen aus alter Zeit, wo dann der Eindruck erweckt wird, die Kirche - das ist ein Nest, wo die Leute völlig verdorben sind und wo alles drunter und drüber geht. Und dann sagt unser Zeitgenosse: Da melde ich mich jetzt ab, da mache ich nicht mehr mit. Das ist das Ziel. Hier kommt es darauf an, Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinfallen, so auch heute nicht.“ (…)

Der BR verweist außerdem darauf, dass das auf der Bistums-Homepage veröffentlichte Manuskript der Predigt an einigen Stellen vom gesprochenen Wort abweiche. Zum Beispiel fehlt das Wort „wieder“ (im O-Ton 2) im veröffentlichten Manuskript des Bistums.

Die Medienschelte des Regensburger Bischofs im Missbrauchsskandal ruft unterdessen immer mehr Kritiker auf den Plan. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warf dem Bischof am Montag „skandalöse Polemik“ vor. „Es ist Aufgabe der Journalistinnen und Journalisten, kritisch über die zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu berichten“, erklärte die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. Bischof Müller polemisiere gegen die Überbringer der schlechten Nachrichten und versuche so offenbar, von den Fakten abzulenken.

Müller hatte die Medien am Wochenende im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen heftig gescholten und von einer „Kampagne gegen die Kirche“ gesprochen. Journalisten, die über die Fälle bei den Regensburger Domspatzen berichten, warf Müller „kriminelle Energie“ vor. In einer Predigt im Regensburger Dom soll Müller die Berichterstattung zudem in die Nähe der Nazipropaganda gerückt haben.

Kritik kam auch aus Reihen der Amtskirche. Der römische Kurienkardinal Walter Kasper distanzierte sich von Müllers Worten. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Kasper, die katholische Kirche solle nicht mit dem Finger auf andere zeigen. „Wir sollen unser eigenes Haus in Ordnung bringen“, sagte er. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, kritisierte vor allem den Nazi-Vergleich. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass hier unsere Hausaufgaben gemacht werden in der katholischen Kirche“, sagte der ehemalige CSU-Politiker am Montag im WDR-Hörfunk.

Das Bistum Regensburg wies am Montag erneut die Vorwürfe gegen Müller zurück. Der Bischof habe in seiner Predigt mit „keinem Satz die Verbrechen des Nationalsozialismus an den Juden mit heutigem Geschehen“ verglichen. Müller habe sich in der Vergangenheit „wiederholt und mit großer Deutlichkeit gegen die Gräueltaten des Nationalsozialismus und deren Verharmlosungen ausgesprochen“. Die Reaktion des Zentralrats der Juden auf die „verzerrende Darstellung des Bayerischen Rundfunks“ sei „nachvollziehbar“. Sie treffe aber nicht die Aussagen und Intentionen des Bischofs.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht