MyMz

Religion

Papst Franziskus kniet vor Muslimen

Das Oberhaupt der katholischen Kirche wäscht Flüchtlingen die Füße. Auf die päpstliche Kopfbedeckung verzichtet der Papst.
Von Carola Frentzen, dpa

Franziskus (r.) hat die Formalien der Osterfeierlichkeiten revolutioniert.
Franziskus (r.) hat die Formalien der Osterfeierlichkeiten revolutioniert. Foto: epa/Osservatore Romano

Rom.Während die Welt geschockt auf den blutigen Islamistenterror in Europa schaut, setzt Papst Franziskus erneut ein Zeichen der Nächstenliebe und der Versöhnung der Religionen. Am Donnerstag kniete das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Flüchtlingen nieder, die auf abenteuerlichen Wegen Italien erreicht hatten, wusch und küsste ihnen die Füße – und ließ dafür gezielt auch mehrere Muslime auswählen. Sie kamen aus dem schon seit Jahren von Dschihadisten heimgesuchten Mali, aber auch Christen aus dem von der Miliz Boko Haram gebeutelten Nigeria waren dabei.

Voller Vorfreude und Aufregung hatten die Bewohner des Zentrums in Castelnuovo del Porto in der Nähe Roms den hohen Besuch aus dem Vatikan erwartet. Sie begrüßten den Pontifex unter großem Applaus, auf einer riesigen Flagge hatten sie „Herzlich willkommen“ in zahlreichen Sprachen geschrieben und eine Friedenstaube gemalt.

Franziskus verurteilt den Terror

Die Friedensbotschaft des Papstes ließ dann auch nicht lange auf sich warten. „Ihr, wir, alle zusammen, verschiedene Religionen, verschiedene Kulturen, aber Kinder des selben Vaters, Brüder“, sagte er und verurteilte erneut die Anschläge von Brüssel als „Geste des Krieges, der Zerstörung“. Dann kniete er vor den Flüchtlingen nieder, schlicht in Weiß gekleidet, ohne päpstliche Kopfbedeckung. Viele weinten, küssten Franziskus die Hand.

Sie hatten ihm im Vorfeld Briefe geschrieben, die sie ihm nun überreichten – und in denen sie deutlich machten, dass sie ebenso wie Christen den Terror verabscheuen. „Für uns Muslime ist das, was hier geschieht, ein Symbol des Friedens“, betonte der 37-jährige Sira Madigata mit Blick auf die Fußwaschung. Er betrachte den Katholikenführer als eine große Persönlichkeit. Das Ritual zeige, „dass ein Zusammenleben überall möglich ist“.

Die Formalien revolutioniert

Auch vier Frauen waren zu der Zeremonie geladen. Das ist neu, so etwas gibt es erst, seit Franziskus auf dem Stuhl Petri sitzt. Vieles hat der Argentinier in den drei Jahren seiner Amtszeit bereits revolutioniert, darunter auch die Formalien der Osterfeierlichkeiten. Während seine Vorgänger ausschließlich Priestern die Füße wuschen, wagt sich Franziskus aus dem Petersdom heraus, geht zu den Menschen hin – und wählt für die Fußwaschung nicht nur Laien sondern auch Frauen aus.

Letzteres war in den Vatikan-Regeln nicht vorgesehen, und bei konservativen Katholiken hatte der Argentinier mit dem Schritt für Unmut gesorgt. Daraufhin ließ er ihn legalisieren: Seit Januar sind Frauen per Dekret zu der Zeremonie zugelassen.

Die besten Zitate von Papst Franziskus

Weitere Nachrichten aus der Politik lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht