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Vatikan

Papst verteidigt „Klapse auf den Hintern“

Das Oberhaupt der Katholiken bekräftigt seine Haltung zur Kinderzüchtigung – und heimst Lob bei Abtreibungsgegnern ein.
von Julius Müller-Meiningen, MZ

Papst Franziskus findet, Eltern dürfen ihre Kinder schlagen – solange sie nicht auf das Gesicht zielen.
Papst Franziskus findet, Eltern dürfen ihre Kinder schlagen – solange sie nicht auf das Gesicht zielen. Foto: dpa

Rom.Papst Franziskus hat seine umstrittene Haltung zur Kinderzüchtigung bekräftigt. „Ich sage immer: Man soll ein Kind nicht ins Gesicht schlagen, weil das Gesicht heilig ist. Aber zwei oder drei Klapse auf den Hintern schaden nicht“, sagte der Papst in einem Interview mit der argentinischen Zeitung La Voz del Pueblo, das bereits am vergangenen Sonntag veröffentlicht wurde.

Als er diese Haltung schon einmal bei einer Generalaudienz bekannt habe, hätten ihn einige Länder kritisiert, in denen strenge Gesetze zum Schutz Minderjähriger gelten, fügte Franziskus hinzu. Der Papst könne so etwas nicht sagen. „Kurioserweise haben diese Länder, die sogar Vater oder Mutter bestrafen, wenn sie ihre Kinder schlagen, Gesetze, die es erlauben Kinder vor ihrer Geburt zu töten.“ Das seien die „Widersprüche unserer Zeit“, so Franziskus.

Anfang Februar wurde Franziskus für ähnliche Aussagen erstmals kritisiert, unter anderem in Deutschland. Damals hatte er einen Familienvater gelobt, der seine Kinder „manchmal ein bisschen schlagen müsse, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen“. „Wie schön!“, rief Franziskus aus, dieser Vater habe Sinn für Würde. „Er muss bestrafen, macht das auf richtige Weise und macht weiter.“ In verschiedenen Medien war anschließend vom „Schlagen mit Würde“ die Rede.

Die Deutsche Kinderhilfe bezeichnete diese Aussagen als „völlig daneben“. Der Papst mache sich „mitschuldig, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt werden“. Auch Politiker kritisierten Franziskus.

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Die neuen Aussagen des Papstes zu Körperzüchtigung wurden erst jetzt bekannt, da sie nicht in die offiziellen Übersetzungen des Interviews durch die Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“ oder Radio Vatikan eingingen. Die katholische Nachrichtenagentur Argentiniens AICA stellte das vollständige Gespräch zwischen Papst Franziskus und dem Korrespondenten von La Voz del Pueblo Juan Berretta am Dienstag online

Auch auf der Internetseite der Zeitung La Voz del Pueblo ist die Passage, die Franziskus im Zusammenhang mit einer Episode aus seiner Kindheit zum Besten gab, zu lesen. Als Grundschulkind habe er einst eine Lehrerin beleidigt. Seine Mutter, die in die Schule gerufen wurde, habe ihn daraufhin zur Rede gestellt. „Zuhause setzte es dann was“, sagte Franziskus. Heute hätten sich die Erziehungsmethoden geändert, es gäbe nun mehr Empfindlichkeit. „Damals gab es zwei Ohrfeigen und Schluss.“

Abtreibungsgegner in den USA lobten Papst Franziskus für seine Bemerkung. „Wir begrüßen, dass Papst Franziskus weiterhin Licht auf diese Tragödie wirft, die jedes Jahr Millionen ungeborener Kinder auf der ganzen Welt fordert“, sagte Carol Tobias, Vorsitzende des Nationalen Komitees für Recht auf Leben (NRLC) in den USA.

Erst vor Tagen war der Vatikan wegen seiner Reaktion auf die Abstimmung zur Homo-Ehe in Irland in die Kritik geraten. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte die mehrheitliche Befürwortung der Iren für die Homo-Ehe als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet.

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