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Politik
Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

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Prostitution ist Gewalt

Terre des Femmes fordert das Sexkauf-Verbot. Bewusstseinswandel gelingt nur durch Perspektivwechsel und durch Gesetze.
Von Inge Bell, Menschenrechtsaktivistin

„Ein Land ohne Bordelle ist wie ein Haus ohne Klo.“ So der Kommentar eines Freiers im Internet. Eine typische Einstellung: Prostituierte haben „herzuhalten“ für die Triebabfuhr von Männern. Was für ein trauriges Menschenbild! Mädchen und Frauen in der Prostitution – wirklich benutzbar wie „Kloschüsseln“? Männer – wirklich alles triebgesteuerte Wesen? Nach Schätzungen kauft sich jeder dritte Mann in Deutschland sexuelle Befriedigung in Bordellen, Sauna-Clubs oder auf dem Straßenstrich. Die meisten Freier sind gebunden, viele Familienväter. Die gekaufte „Ware“: Mädchen und sehr junge Frauen aus Osteuropa, Hunderttausende in der Elendsprostitution, sprachlos, ahnungslos, hilflos – Menschenhandel inklusive.

Sexkauf ist zum Massenphänomen geworden, das Rotlicht zur größten Tabuzone: eine gefährliche Mischung aus Ausbeutung, Gewalt, organisierter Kriminalität, Ignoranz der Sex-Käufer, und einer Politik, die Anfang der 2000er Jahre gutmeinend antrat, Prostituierten zu helfen, doch das Gegenteil erreichte. Deutschland ist mittlerweile berüchtigt als das „Bordell Europas“, Sexkauf ist salonfähig geworden, und das hiesige Rotlichtmilieu ein „Paradies für Menschenhändler“.

Dass es auch ganz anders sein kann in einer modernen Gesellschaft, zeigt ein Blick über den Tellerrand, auf das „Nordische Modell“: ein gesetzlicher Ansatz wie er seit 1999 erfolgreich in Schweden und mittlerweile in Norwegen, Irland, Island, Kanada, Frankreich und bald auch Israel praktiziert wird. Hier stehen Freier im Fokus: Sexkauf ist strafbar, nicht die Prostitution an sich. Der Freier gilt als Täter, Mädchen und Frauen in der Prostitution werden entkriminalisiert. Die Freierbestrafung ist nur eine Säule. Die anderen sind: echte Ausstiegshilfen aus der Prostitution, Prävention in Schulen und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung. Und als Basis: die Anerkennung von Prostitution als das, was sie ist: Gewalt.

Wir von Terre des Femmes fordern das Sexkauf-Verbot nach dem Nordischen Modell für Deutschland und Europa. Denn Bewusstseinswandel gelingt nur durch Perspektivwechsel und durch Gesetze. Das zeigen auch die schwedischen Erfolge: heute lehnt die überwältigende Mehrheit der Schweden Sexkauf und Prostitution ab – und erkennt sie als Menschenrechtsverletzung. Freier mögen hierzulande als cool gelten, dort gelten sie als Looser.

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