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Runter von der Schiene!

Im Kampf gegen den Klimawandel ist die Politik auf die Bahn fixiert. Dabei kann der Bus eine bessere Ökobilanz vorweisen.
Hermann Meyering, Verkehrs-Experte

Hermann Meyering ist Vorsitzender der Gütegemeinschaft Buskomfort.
Hermann Meyering ist Vorsitzender der Gütegemeinschaft Buskomfort.

Am 25. Juli kam ich auch im Schatten ordentlich ins Schwitzen. Denn an diesem Tag hat meine Heimatstadt Lingen mit einem Hitzerekord von 42,6 Grad Geschichte geschrieben. Auch wenn sich die Experten streiten, ob hier die richtige Messmethode angewandt und in Niedersachsen tatsächlich der höchste Wert seit Aufzeichnung der Temperaturdaten in Deutschland erreicht wurde: Ich habe den Klimawandel am eigenen Leib erlebt.

Der heiße Juli in diesem Jahr hat auch der politischen Debatte über den Klimawandel zurecht neue Dynamik verliehen. Extreme Hitze kann allerdings auch das intellektuelle Leistungsvermögen beeinträchtigen. Hat die öffentliche Diskussion über eine nachhaltige Reduzierung von Treibhausgasen deshalb nur die Bahn im Blick?

Frenetischer Beifall für Scheuer

Für seinen Vorschlag, die Mehrwertsteuer auf Bahntickets im Fernverkehr von 19 auf sieben Prozent abzusenken, erntet Verkehrsminister Andreas Scheuer von allen Seiten frenetischen Beifall. Dabei ärgert mich, mit welcher Konsequenz alle selbst ernannten Klimaschützer die Fakten ignorieren. Im Kampf gegen den Klimawandel ist die Politik völlig eingleisig auf die Bahn fixiert. Dabei kann der Bus eine bessere Ökobilanz vorweisen.

Die ökologischen Vorteile des Reisebusses gegenüber der Bahn lassen sich mit den Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) eindeutig belegen. Demnach belastet der Bus die Atmosphäre nur mit 32 Gramm Kohlendioxid pro Personenkilometer, während die Bahn 36 Gramm emittiert. Und während die Bahn auf 100 Personenkilometer 1,9 Liter Kraftstoff verbraucht, kommt der Bus mit 1,4 Liter aus.

Förderung von Reisebussen

Laut UBA verursacht der Bus mit 1,07 Cent pro Personenkilometer auch die geringsten Umweltkosten. Dieser Begriff drückt in Geldwerten aus, dass Emissionen beispielsweise zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Ernteausfällen führen. Bei einem Elektro-Personenzug im Fernverkehr liegt dieser Wert bei 1,74 Cent pro Personenkilometer.

Statt Milliarden in das Schienennetz eines maroden Staatskonzerns zu pumpen und die Preise für Bahntickets zu senken, sollte die Politik den Reisebus endlich von der Ökosteuer sowie dem vollen Satz der Mineralölsteuer oder Fahrverboten in Umweltzonen befreien. Sonst wird der Hitzerekord von Lingen im nächsten Sommer mit noch höheren Werten in den Schatten gestellt!

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Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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