MyMz

Sauerei bei der Schweinezucht

Das Halten von Sauen in den gängigen Kastenständen ist illegal. Dennoch werden Vorschriften missachtet. Das soll sich ändern.
Von Rüdiger Jürgensen, Tierschützer

Foto: Fred Dott/FRED DOTT

Regensburg.Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg hat 2015 festgestellt, dass die Haltung von Sauen in den gängigen Kastenständen illegal ist. Kastenstände sind körperenge Metallkäfige, in denen 98 Prozent der Sauen ihr halbes Leben fristen müssen. Eigentlich muss den empfindungsfähigen Tieren ermöglicht werden, im Liegen ungehindert die Beine auszustrecken. Doch bis heute wird diese Vorschrift in der konventionellen Schweinezucht fast flächendeckend missachtet.

Jahrzehntelang haben Behörden die rechtswidrigen Kastenstände genehmigt und Berufsverbände und Landwirtschaftskammern den Bau der Kastenstände empfohlen. Jetzt müssten die Landwirte ihre Kastenstände eigentlich umbauen. Der Aufruhr ist entsprechend groß, denn Züchter sehen ihre Profite durch teure Umbauten gefährdet. Investitionen, die Ministerin Klöckner ihnen nicht zumuten will. Sie plant, die geltende Verordnung so zu ändern, dass Sauen ihre Beine nicht mehr ungehindert austrecken können müssen und räumt dafür großzügige Übergangsfristen ein. Hier soll eine Haltungspraxis, die seit Jahren gegen die Verordnung verstößt, legalisiert werden. So leicht soll aus Unrecht Recht werden. Doch für ihren Coup benötigt Klöckner die Unterstützung der Länder. Die sind sich uneins und der Bundesratstermin zu Klöckners Verordnungsentwurf wird ein ums andere Mal verschoben.

Protest der Bürger befürchtet

Die Länder befürchten zurecht den Protest der Bürger gegen das Leiden der Sauen. Eine von unserer Organisation in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass sich 87 Prozent der Deutschen für ein Verbot der körperengen Käfige aussprechen. Aufhorchen lassen sollte ferner die Klage des Landes Berlin in Karlsruhe, die die aktuelle Schweinehaltung, insbesondere den Kastenstand infrage stellt. Das Urteil wird 2021 erwartet.

Die Schweinehaltung muss von Grund auf neu gedacht und der Kastenstand abgeschafft werden. Dafür braucht es ein Finanzierungskonzept für artgemäße Stallumbauten. Das ist der Dreh- und Angelpunkt, der auch die Tierhalter bewegt. Länder wie Schweden und Norwegen haben schon lange keinen Kastenstand mehr. Auch auf Biobetrieben in Deutschland ist er nicht zu finden. Es geht also auch ohne Metallkäfige. Das Herumpfuschen an den Symptomen tierquälerischer Haltungsformen wird gesellschaftlich nicht länger akzeptiert.

Der Autor ist Geschäftsführer der Tierschutzstiftung Vier Pfoten Deutschland.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht