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Familie

Schafft das Kindergeld ab

Gutverdienende profitieren – und die Ärmsten der Armen gehen leer aus. Damit muss endlich Schluss sein.
Wolfgang Büscher

Wolfgang Büscher ist Sprecher von „Die Arche“.
Wolfgang Büscher ist Sprecher von „Die Arche“.

Berlin.Kein Geld für Bücher, Klassenfahrten oder Nachhilfeunterricht. Ab dem frühen Alter sind Kinder aus sozial schwachen Familien benachteiligt. Warum das so ist? Es geht um Geld, um richtig viel Geld: Kindergeld in Deutschland wird auf Hartz IV angerechnet. Was bedeutet das? Die Empfänger von Transferleistungen, also Hartz IV, profitieren nicht von den Kindergeldleistungen. Gutverdienende dagegen profitieren davon schon – und die Ärmsten der Armen gehen leer aus. Wer hat, dem wird also noch mehr gegeben. Wenn aber Hartz IV das Existenzminimum einer Familie absichern soll, das Kindergeld jedoch darauf angerechnet wird, dann kommt bei einer Erhöhung des Kindergeldes zur Bekämpfung von Kinderarmut genau bei den Familien nichts an, die es am meisten benötigen.

In Deutschland ist es so, dass der Vorstand eines Konzerns volles Kindergeld erhält und die Mutter von drei Kindern, die von Transferleistungen leben muss, geht leer aus. Da kann doch was nicht stimmen. Zudem sprechen wir hier eigentlich im wörtlichen Sinne von KINDERgeld. Das Geld ist für die Kinder gedacht und nicht für die Eltern. Die Kinder werden stellvertretend für ihre Eltern bestraft, sie werden in Sippenhaft genommen. Wir haben viel zu viele Kinder, die nicht alle Bildungschancen ergreifen können. Das ist der wirkliche Faktor, warum Armut immer weitergetragen wird.

Sozialverbände, darunter auch die Arche, fordern, statt des Kindergeldes sollte eine Grundsicherung von rund 600 Euro pro Kind an alle Familien ausgezahlt werden. Das wird natürlich für den Staat sehr teuer. Rund 22 Milliarden Euro würde das im Jahr mehr kosten. Diese Grundsicherung wäre für alle Familien gleich hoch und natürlich gerechter, weil sie versteuert würde. So erhält eine einkommensschwache Familie mehr Geld als eine einkommensstarke Familie.

In diesem Jahr wird das Kindergeld 64 Jahre alt. Es ist reif für die Rente. Man stelle sich die typische deutsche Familie vor, Mutter und Vater, die vor 50 Jahren Jahren mit dem VW Käfer nach Italien in den Urlaub fuhren. Und der Staat schüttete mit der Gießkanne großzügig Leistungen an seine großen und kleinen Kinder aus. Das klingt wie ein wunderbarer Traum aus den fünfziger Jahren. Und so wie die Mütter und Väter aus den Fifties jetzt in Rente sind, sollte das Kindergeld schnell folgen. Es muss abgeschafft werden.

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