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Schlimmes Verbrechen am Amazonas

Brände sind nicht nur Teil einer Umweltkatastrophe, sondern auch ein tödliches Verbrechen an den indigenen Völkern.
Linda Poppe. Menschenrechtlerin

Die Bilder des brennenden Amazonasregenwaldes gingen um die Welt. Wie selten zuvor waren damit Brasilien und sein Präsident Jair Bolsonaro plötzlich Thema Nummer eins. Und zwar völlig zu Recht. Zwar gibt es in Brasiliens Amazonasgebiet jedes Jahr Brände, die vor allem von Bauern und Viehzüchtern gelegt werden, um Flächen für die Landwirtschaft zu beanspruchen. Es wäre aber zynisch, sie deshalb als etwas Normales hinzunehmen. Denn sie sind nicht nur Teil einer schleichenden Umweltkatastrophe, sondern auch ein tödliches Verbrechen an den indigenen Völkern, die den Wald bewohnen.

Dass die Brände 2019 wieder zahlreicher sind, liegt zum einen an der jahrelangen Unterfinanzierung des Umwelt- und Waldschutzes. Zum anderen an der Regierung von Bolsonaro, der einen beispiellosen Angriff auf den Regenwald und die indigenen Völker – deren Gebiete bisher den besten Schutz gegen Abholzung darstellen – gestartet hat. Vermutlich will er sich damit die Unterstützung seiner Wählerschaft sichern, auch wenn manchmal unklar bleibt, ob es ihm dabei um vermeintliches Wirtschaftswachstum geht oder ob er vor allem mit seiner Hassrede polarisieren will.

Bolsonaro hat Bauern und Viehzüchter offen ermutigt, in indigene Gebiete einzudringen. Diese wissen, dass sie kaum Gefahr laufen, bestraft zu werden. Und im Wahlkampf tönte er unter anderem: „Die Indianer sprechen unsere Sprache nicht, haben kein Geld, haben keine Kultur. Sie sind primitive Völker.“ Wenn Bolsonaro nun das Ausland dafür kritisiert, dass es sich in brasilianische Angelegenheiten wie die Amazonasbrände einmischt, muss eins klar sein: Eigentlich ist er es, der sich wie ein Kolonialherr aufführt und die Unterdrückung indigener Völker zum eigenen Nutzen weiterführt.

Uns kann das nicht egal sein. Auch weil indigene Völker die besten Wächter des Waldes sind – in Brasilien und weltweit. Das zeigen Studien deutlich. Genauso wie die Satellitenbilder, auf denen indigene Territorien wie grüne Inseln deutlich zwischen der Entwaldung herausstechen. Ein massiver öffentlicher Aufschrei hat eine reale Chance, etwas zu bewirken, Bolsonaro hat gezeigt, dass er durchaus auf politischen Druck reagiert. Auch deshalb ist es richtig, dass die Bilder aus Brasilien die Welt in Atem halten. Für die dortigen indigenen Völker, für den Regenwald und für uns alle.

Autoreninfo:

Die Autorin ist Geschäftsführerin von Survival International Deutschland e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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