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Politik
Montag, 16. Juli 2018 30° 8

Kommentar

Schreiben unplugged

Ein Kommentar von Bernhard Fleischmann

Es nagt an der Glaubwürdigkeit, wenn man für den Erhalt der Schreibschrift plädiert, aber eine Kritzelei veranstaltet, dass der Verfasser selbst die Bedeutung der augenscheinlich fremden Welten entsprungenen Zeichen kaum entziffern kann. Man muss nicht mit Tastatur oder Touchscreen in der Hand auf die Welt gekommen sein, um ein grottiges Schriftbild abzuliefern. Aber die Chancen steigen.

Wer das Schreiben auf Tastaturen lernt, wird später kaum einsehen, warum er sich mit Stift und Papier quälen soll. Denn Schreiben unplugged ist mühsamer. Wer mit Hand und Stift schreibt, benötigt zusätzliche feinmotorische Fähigkeiten und muss sich besser überlegen, was er in Schriftform darlegen will. Ausbessern hinterlässt hässliche Spuren oder erfordert gar einen Neubeginn.

Doch diese Umstände verlangen nach einer intensiveren geistigen Auseinandersetzung mit der Materie. Für das Schreiben per Hand spricht der bessere Lerneffekt. Inhalte werden nachhaltiger wahrgenommen, wenn man sie handschriftlich niederlegt. Wer in die Tasten klopft, befasst sich Untersuchungen zufolge geistig weniger intensiv damit. Und wie viel im Kopf passiert, wenn man Text lediglich in ein neues Dokument kopiert, kann man sich mit ebenso wenig geistiger Mühe leicht ausmalen. Es lohnt sich, die Handschrift weiter zu lehren, zu lernen und hin und wieder zu praktizieren. Zur Not mit einem elektronischen Stift auf einem Bildschirm.

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