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Politik
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Konflikt

Schwere Vorwürfe gegen Kim

Der nordkoreanische Diktator betreibt sein Atomprogramm laut US-Medien heimlich weiter. Zog er Trump über den Tisch?
Von Thomas Spang

Kim am 12. Juni in Singapur: Beim Gipfel mit Trump hatte er die nukleare Abrüstung Nordkoreas zugesagt.  Foto: Anthony Wallace/afp
Kim am 12. Juni in Singapur: Beim Gipfel mit Trump hatte er die nukleare Abrüstung Nordkoreas zugesagt. Foto: Anthony Wallace/afp

Washington.Kurz nach seiner Rückkehr von dem Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un in Singapur verkündete Donald Trump den Erfolg seiner Mission. „Es gibt keine nukleare Bedrohung von Nordkorea mehr“, lobte er das Ergebnis seiner Gespräche mit Kim. „Jeder darf sich heute sicherer fühlen als an dem Tag, an dem ich ins Amt gekommen war“.

Gemessen an den Einschätzungen seiner eigenen Geheimdienste hat diese Behauptung des Präsidenten wenig mit der Realität zu tun. Der Fernsehsender NBC, die Washington Post und das Wall Street Journal berichten unter Berufung auf ein Dutzend mit den Erkenntnissen der Dienste vertrauter Personen, das Regime habe nicht die Absicht, seine Atomwaffen und Raketen aufzugeben.

Laut kürzlich in Erfahrung gebrachter Details durch den militärischen Geheimdienst DIA arbeite Nordkorea aktiv daran, sein Programm zu verschleiern. Angefangen bei der Zahl der bereits produzierten Atomsprengköpfe über ein geheimes Uran-Anreicherungs-Zentrum bis hin zum Ausbau seiner Raketenproduktion.

Pompeo reist nach Pjöngjang

Auf die Befürchtungen angesprochen, erklärte Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton, er werde sich nicht zu Geheimdienst-Angelegenheiten äußern. „Wir wissen sehr genau um die Risiken“. Die Verhaltensmuster der Nordkoreaner seien aus der Vergangenheit gut bekannt. Aber Kim sei in Singapur „sehr emphatisch gewesen“. Er gehe davon aus, dass Nordkoreas „innerhalb eines Jahres“ nuklear abrüsten könne.

Außenminister Mike Pompeo spricht von einem Zeitraum, der sich über mehrere Jahre erstrecken könnte. Eine Einschätzung, die mit der von unabhängigen Abrüstungsexperten übereinstimmt. Der frühere Chef des Atomwaffen-Zentrums von Los Alamos, Siegfried S. Hecker, geht von einem Prozess aus, der ein ganzes Jahrzehnt in Anspruch nehmen könnte. Vor seiner Reise zu einer Folgebegegnung mit dem Diktator in Pjöngjang lehnte es Pompeo ab, zu sagen, ob er mit Kim über die neuen Erkenntnisse der US-Geheimdienste sprechen wird. Er werde sich öffentlich nicht zu Details äußern. „Das ist kontraproduktiv“.

Erklärungsbedarf besteht jedenfalls reichlich. Vor allem über eine bisher geheime Produktionsstätte für angereichertes Uran, die der DIA in Kangsong entdeckt hat. Dort wird nach Schätzungen der Regierungsexperten fast doppelt so viel atomwaffentaugliches Material produziert wie in der bekannten Anlage von Yongbyon.

Brisante Satellitenbilder

Fragen wirft auch die Erweiterung der größten Produktionsstätte für Mittel- und Langstreckenraketen des Landes auf. Satellitenbilder zeigten neue Bauaktivitäten. „Das steht sicher nicht im Einklang mit der erklärten Absicht Nordkoreas, sich von seinen Atomwaffenprogrammen zu trennen“, sagt Bruce Klinger von der konservativen „Heritage-Foundation“.

Andere Abrüstungsexperten wie Abraham M. Denmark vom „Woodrow Wilson Center“ warnen die Regierung davor, die Erkenntnisse der Geheimdienste zu ignorieren. Bisher habe Nordkorea sich zu nichts Konkretem verpflichtet. „Es gibt weder eine Deadline für die Abrüstung ihrer illegalen Bestände noch ein Einfrieren ihrer fortgesetzten Produktion“.

In einem Interview mit FOX Business räumte Trump die Möglichkeit ein, dass sein Deal mit Kim durchfallen könnte. Er habe Kim die Hand geschüttelt und „ich glaube wirklich, dass er meint, was er sagt“. Aber er könne sich auch an Verhandlungen erinnern, bei denen es auch erst gut ausgesehen habe und die Beteiligten am Ende nicht zu ihrem Wort standen. „Das ist möglich“.

Vor dem Gipfel hatte Nordkorea in einem als Zeichen des guten Willens dargestellten Schritt sein Atomtestgelände Punggye Ri unbrauchbar gemacht. Auf dem Gelände waren alle von Nordkorea gemeldeten sechs Atomtests vorgenommen worden.

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