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Selbsthilfe für Angehörige

Noch immer gibt es Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen. Darunter leiden Betroffene – und deren Familien.
Von Karl Heinz Möhrmann

Karl Heinz Möhrmann ist 1. Vorsitzender des Landesverbands Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
Karl Heinz Möhrmann ist 1. Vorsitzender des Landesverbands Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V.

Gegenüber psychischen Erkrankungen und psychisch erkrankten Menschen sowie ihren Angehörigen gibt es immer noch Vorurteile in der Öffentlichkeit.

Tendenziöse Berichte in den Medien über die angebliche Gefährlichkeit psychisch kranker Menschen schüren diese Ängste (z.B. Artikel in der WELT vom 09.06.2019 mit dem Titel „Wenn Wahnvorstellungen zum Tatmotiv werden“). Dabei ist zu beachten, dass es nur bei einer verhältnismäßig kleinen Gruppe von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung ein höheres Risiko zu Gewalt gibt. Die Gefahr für den Bürger, jemals mit einem gefährlichen psychisch kranken Menschen in Kontakt zu kommen, ist vermutlich geringer als die Gefahr, auf der Straße von einem Auto angefahren zu werden.

Psychische Erkrankung betrifft immer auch das soziale Umfeld

Eine psychische Erkrankung trifft nie nur den betroffenen Menschen allein, sondern immer auch das soziale Umfeld, also in der Regel die Familie, mit. Fehlende Krankheitseinsicht ist leider ein Symptom vieler psychischer Erkrankungen, sodass es oft schwer ist, den betroffenen Menschen in die eigentlich notwendige professionelle Behandlung zu bringen. Zudem gab es in der Vergangenheit Schuldzuweisungen an die Angehörigen, welche für den Ausbruch und Verlauf der Erkrankung verantwortlich gemacht wurden, z.B. den Begriff der „schizophrenogenen Mutter“, und welche auch heute in manchen Kreisen noch nicht völlig überwunden sind.

Angehörige wurden als Verursacher und als „Ungehörige“ diskriminiert. Sie waren mit ihren Problemen alleingelassen, so dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als sich in Selbsthilfegruppen und –vereinen selbst zu organisieren und sich gegenseitig mit Rat und Tat zu unterstützen.

Angehörigenbewegung ist ernstzunehmender Gesprächspartner

Die organisierte Angehörigenbewegung ist heute als ernstzunehmender Gesprächspartner in der Politik, den Medien und bei den professionellen Helfern anerkannt und akzeptiert. Der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e.V. ist mit ca. 2.400 Mitgliedern der größte regionale Selbsthilfeverband in der Psychiatrie in der BRD. Er umfasst Mitgliedsvereine und Selbsthilfegruppen in ganz Bayern, auch im Bezirk Oberpfalz. Als Mitglied im Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen kann er auch Einfluss auf politische Vorgaben auf Bundesebene nehmen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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