MyMz

Sexarbeit muss legal werden

Das Sexkaufverbot löst keine Probleme. Wir brauchen eine Entkriminalisierung der Sexarbeit und einen Dialog auf Augenhöhe.
Susanne

Die Autorin ist Vorstand des Berufsverbands Sexarbeit BESD Tampep Europe.
Die Autorin ist Vorstand des Berufsverbands Sexarbeit BESD Tampep Europe. Foto: Kathrin Grissemann, Zürich

Regensburg.Die Diskussion über Prostitution ist seit Jahren festgefahren. Tatsächlich gibt es einen Graubereich von Sexarbeit, wozu Ausbeutung und Gewalt gehört, aber Prostitutions- und Sexkaufverbote sind für die Bekämpfung völlig ungeeignet. Über 134 Studien weisen nach, dass die (Teil-) Kriminalisierung von Prostitution mehr schadet, als nützt. Tatsächlich müssen die Menschenrechte von Sexarbeiterinnen geschützt werden. Das ist mit einem Sexkaufverbot nicht möglich, denn Sexarbeit verschwindet nicht durch Verbote, sondern verlagert sich in die Illegalität. Sexworker sind dann für Hilfsangebote nicht mehr erreichbar. Illegale Prostitution bedeutet immer, dass Gewalt gegen Sexarbeitende zunimmt, aber kaum zur Anzeige gebracht und verfolgt wird. In den letzten zehn Jahren hat sich Zuhälterei und sexuelle Ausbeutung in Deutschland laut Polizeistatistiken halbiert. 2018 gab es noch knapp 300 Fälle. Bei geschätzten 100000 bis 200000 Sexarbeiterinnen in Deutschland.

Jeder Fall ist einer zuviel. Deshalb braucht es Opferschutz und Bleiberecht für aussagewillige Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel sowie Ausstiegsangebote, Zugang zu Gesundheitsschutz, Sozialleistungen sowie Wohnraum. In Ländern mit Sexkaufverbot werden ausländische Sexarbeiterinnen hingegen einfach abgeschoben. Die Mitarbeiterin einer Beratungsstelle für Frauenhandel berichtete kürzlich, dass sich 30 Prozent ihrer Klientel auf eigene Initiative bei ihr meldet; andere werden durch Dritte, Polizei und Freier vermittelt.

Bei einem Sexkaufverbot, das die Kunden kriminalisiert, wären die Freier nicht mehr so hilfsbereit, weil sich niemand strafbar machen will. Die Prostitutionsgegner und Befürworter des Sexkaufverbots befinden sich auf einem Irrweg: Seit drei Jahren gilt das Sexkaufverbot in Frankreich, aber die Zahl der Sexarbeiterinnen hat nicht abgenommen; bei der Ausbeutung von Minderjährigen und Menschenhandel ist die Tendenz steigend. Auch in Irland ist das Sexkaufverbot gescheitert und die Gewalt gegen Sexarbeitende nach Einführung des Gesetzes gestiegen. Auch schwedische Sexarbeiterinnen erklären das „Schwedische Modell“ nach 20 Jahren für gescheitert. Wir brauchen endlich eine fortschrittliche Prostitutionspolitik, die keine Opfer schafft, sondern Rahmenbedingungen, um Sexarbeit sicher auszuüben.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht