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Politik
Montag, 25. Juni 2018 20° 5

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So gelingt die Inklusion

Viele denken bei diesem Begriff nur an das Thema „Barrierefreiheit“. Prof. Dr. Thomas Beyer sieht mehr Bereiche.
Von Prof. Dr. Thomas Beyer

Prof. Dr. Thomas Beyer ist Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Bayern.
Prof. Dr. Thomas Beyer ist Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Bayern.

Wird in der öffentlichen Diskussion über Inklusion geredet, ist meistens die Schaffung von Barrierefreiheit im wörtlichen Sinne gemeint. Hohe Bordsteine, fehlende Aufzüge, zu enge Türrahmen – es herrscht Übereinstimmung, dass diese Hindernisse für Menschen mit körperlichen Behinderungen oft schwer oder gar nicht zu überwinden sind und flächendeckend abgeschafft werden müssen.

Inklusion umfasst jedoch mehr als das Pflichtfeld „Barrierefreiheit“ im engeren Sinn. So muss es Standard werden, dass alle Menschen mit Behinderungen – und zwar körperliche ebenso wie geistige und psychische – nicht länger wegen unverständlicher Sprache auf Internetseiten von Behörden oder Kultureinrichtungen von Mitwirkungsmöglichkeiten abgehalten werden, keinen Anschluss in Vereinen finden oder nicht vom Angebot von Bildungseinrichtungen angesprochen werden.

Menschen mit Behinderungen haben ein Recht, umfassend Teilhabe in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen zu erfahren. Dazu gehört, dass wichtige Inhalte aus dem kulturellen und sozialen Geschehen in Broschüren und Unterlagen in leichter Sprache wiedergegeben werden und Theater spezielle Audiogeräte für Schwerhörende zur Verfügung stellen.

Es bedarf sowohl gesetzlicher Regelungen als auch staatlicher Förderung, um eine tatsächlich inklusive Gesellschaft, in der sich niemand als Außenseiter fühlt, zu schaffen. Es setzt aber auch ein besonderes Maß an Sensibilität bei jedem einzelnen Bürger voraus, um die vielfältigen und oft verdeckten Formen des sozialen Ausschlusses im Alltag zu identifizieren und abzuschaffen. Das heißt, Normen und Richtlinien sind wichtig, müssen aber durch eine gelebte Kultur der Akzeptanz und Förderung von Vielfalt ergänzt werden.

Die inklusive Gestaltung des kulturellen und sozialen Lebens im Gemeinwesen bedeutet, dass Teilhabemöglichkeiten selbstverständlich und aktiv von allen bereitgestellt werden – und nicht, dass Betroffene sie immer wieder aufs Neue einfordern und durchsetzen müssen. Darüber hinaus ist aber auch jeder von uns gefragt, zur Überwindung alltäglicher Ausschlussphänomene im gesellschaftlichen Leben beizutragen. Nur so kann ein Zusammenleben in Vielfalt und damit eine echte soziale Inklusion zur gesellschaftlichen Normalität werden.

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