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Politik
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Bundestagswahl

So hat die Region gewählt

Die CSU holt alle Direktmandate – doch die Freude darüber ist verhalten. Zwei AfDler aus der Region sind im Bundestag.
Von Isolde Stöcker Gietl, MZ

Regensburg.160 000 Flyer, 10 000 Tüten Gummibären, vier blaue Sakkos, fünf rote Krawatten und zwei Paar rote Schuhe haben am Ende nicht gereicht. Der Regensburger SPD-Direktkandidat Tobias Hammerl hat hart gekämpft, doch den Absturz der SPD konnte er nicht verhindern. Mit vorläufig nur noch 20,8 Prozent ist die Partei im nächsten Bundestag vertreten. Hammerl nannte es eine „krachende Niederlage“. Noch am Abend kündigte die Parteispitze an, dass man in den kommenden vier Jahren Oppositionsarbeit leisten werde. „Wir müssen uns als SPD neu erfinden“, betonte Hammerl. Das Direktmandat im Wahlkreis Regensburg Stadt-Land holte erwartungsgemäß Peter Aumer (CSU).

Enttäuschung gibt es allerdings nicht nur auf Seiten der SPD. Auch die CSU ist deutlich von den Wählern abgestraft worden und fährt in Bayern mit nur mehr rund 38,7 Prozent ein historisch schlechtes Wahlergebnis ein. Vor vier Jahren wählten noch 49,3 Prozent in Bayern CSU. Für den Stimmkreis Regensburg bedeutet das auch, dass es für Astrid Freudenstein, die vor vier Jahren mit Listenplatz 9 – aufgrund der guten Abschneidens der CSU – überraschend in den Bundestag eingezogen war, wohl dieses Mal trotz besserer Platzierung nicht reichen wird. Schon am Freitag hatte sie angekündigt, dass sie sich am Wahlabend von der Wahlparty im Leeren Beutel und von ihrem Handy fernhalten werde.

Ungläubiges Staunen über Abschneiden der AfD

Freudenstein hatte ihren Hut im Kampf um das Direktmandat in den Ring geworfen, konnte sich aber nicht gegen Peter Aumer durchsetzen. Er saß bereits von 2009 bis 2013 eine Legislaturperiode im Bundestag und hatte bei der letzten Wahl Philipp Graf von und zu Lerchenfeld den Vortritt gelassen, um für den Posten des Landrats zu kandidieren. Auch Lerchenfeld wollte deshalb den Stimmkreis nicht kampflos abgeben. Mit Listenplatz 34 wären die Chancen auf ein Mandat aber auch bei einem besseren Abschneiden der CSU gering gewesen. Aumer sagte am Abend, er freue sich über ein „sehr respektables Wahlergebnis“, auch wenn es im Trend der Partei weniger gut als erhofft ausgefallen sei. Es sei nun wichtig, das Vertrauen der Wähler zurückzuerobern und wieder näher am Menschen zu sein. Er selbst wolle nun wieder die großen Themen aus der Region in Berlin anpacken, insbesondere die Verkehrsinfrastruktur sei sein Gebiet. Mit Stefan Schmidt (Grüne) und Uli Lechte (FDP) wird der Stimmkreis noch zwei weitere Abgeordnete über die Liste entsenden. Schmidt und Lechte könnten sich eine Jamaika-Koalition in Berlin gut vorstellen, sagten sie am Abend bei der Wahlparty im Leeren Beutel in Regensburg.

Franz Rieger von der CSU im Interview

Dr. Franz Rieger im MZ-Interview

Wer sind die vier Wahlkreis-Sieger von der CSU? Wir stellen die Abgeordneten vor.

Das Lächeln fiel Sieger MdB Karl Holmeier (CSU) in Cham schwer, wegen des Zweitstimmen-Debakels.

Der große Gewinner des Abends ist die AfD, die nun als drittstärkste Kraft im Bundestag sitzen wird. In Wahllokalen der Regensburger Konradsiedlung und Burgweinting holte die Partei die meisten Zweitstimmen noch vor der CSU. Mit Listenplatz 2 sicherte sich auch der Neumarkter Wirtschaftsökonom Peter Böhringer sein Ticket nach Berlin. Das Ergebnis sei sensationell, wenngleich es ihn nicht wirklich überrascht habe, sagte er. Er sei seit 2,5 Jahren in der Partei, vertrete die Themen der AfD aber schon seit rund 15 Jahren. In Berlin sieht er sich künftig insbesondere im Haushaltsausschuss als einer der führenden Kräfte. Mit Corinna Miazga schaffte zudem eine AfD-Listenkandidatin aus Straubing den Einzug in den Bundestag.

Bei den Bürgern auf der Straße löste das Abschneiden der AfD trotz der Prognosen der vergangenen Tagen ungläubiges Staunen bis hin zu Ablehnung aus. „Der hohe Prozentsatz für die AfD ist schrecklich. Es ist erschreckend, wie viele Leute so ein Parteiprogramm wählen“, sagte der Regensburger Andreas Fenchel. Die 20-jährige Freda meinte: „Ich bin sprachlos. Das Ergebnis ist einfach verstörend und sehr peinlich. Wir haben im Freundeskreis Wetten abgeschlossen, wie viel Prozent die AfD bekommt – und hätten maximal auf zehn Prozent getippt. Es ist einfach nicht nachvollziehbar!“ Im Landkreis Regensburg wurde die AfD zweitstärkste Partei nach der CSU mit 14,4 Prozent der Stimmen. Im Kreis Cham schaffte die Partei rund 18 Prozent der Stimmen, 17,3 Prozent in Schwandorf.

In Schwandorf zeigte sich am Wahlabend ein sichtbar geschockter CSU-Direktkandidat Karl Holmeier vor der Kamera. „Das Ergebnis überrascht im negativen Sinne. Die Verluste sind sehr bedenklich. Wahrscheinlich lag es am Thema Flüchtlinge.“ Holmeier holte das Direktmandant für den Wahlkreis Schwandorf-Cham.

Im Wahlkreis Neumarkt sagte der erfolgreiche Direktkandidat Alois Karl (CSU), dass er das Ergebnis seiner Partei mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe. Er persönlich habe sein Ziel erreicht.

„Lässt nichts Gutes erahnen“

Daumen Hoch: Im Wahlkreis Kelheim reichte es für CSU-Direktkandidat Florian Oßner. Foto: hf

Albert Rupprecht (CSU) gehört weitere vier Jahre für den Stimmkreis Weiden-Neustadt/Waldnaab-Tirschenreuth dem Bundestag an. Im Stimmkreis Kelheim sicherte sich Florian Oßner (CSU) das Direktticket. Es sei ein enttäuschendes Ergebnis, sagte er. Aufgrund der künftigen Zusammensetzung des Parlaments erwartet er keine einfache Regierungsarbeit. Die Kampfansage, die AfD-Chef Gauland am Wahlabend ausgegeben habe, dass man nun Jagd auf die Regierungsparteien machen werde, lasse nichts Gutes erahnen, sagte Oßner.

Für die SPD wird Marianne Schieder (Schwandorf-Cham) mit Listenplatz 6 wieder in den Bundestag einziehen. Sie nannte das Wahlergebnis der „rechten Demagogen“ eine Katastrophe. Auch für Bayern-SPD-Generalsekretär Uli Grötsch aus Weiden-Tirschenreuth (Listenplatz 11) gibt es ein Ticket nach Berlin.

Nicht von den Wahlergebnissen, sondern aus ganz anderen Gründen wurde den Wahlhelfern im Landratsamt Kelheim übel. Dort hatte ein Briefwähler den Stimmzettel mit Kot beschmiert. Ob man die braungefärbte Wahlpost der Polizei übergeben wird, war gestern noch offen.

Die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) im Interview mit unserem Medienhaus:

Gertrud Maltz-Schwarzfischer im MZ-Interview

Die Ergebnisse aus der Region im Überblick – in unseren interaktiven Grafiken

Der Wahlkreis 233 Regensburg

Der Wahlkreis 234 Schwandorf-Cham

Der Wahlkreis 232 Amberg-Neumarkt

Der Wahlkreis 228 Landshut-Kelheim

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