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Handel

So überleben unsere Innenstädte

In den Kleinstädten in Ostbayern kämpft der Einzelhandel gegen die Online-Konkurrenz ums Überleben. Es gibt aber Hoffnung.
Von Jan-Lennart Loeffler

Noch Luft nach oben: Die Attraktivität der Innenstädte in der Oberpfalz kann noch verbessert werden. Die Stadt Schwandorf steckt bereits mitten in der Sanierung. Foto: Heinzl
Noch Luft nach oben: Die Attraktivität der Innenstädte in der Oberpfalz kann noch verbessert werden. Die Stadt Schwandorf steckt bereits mitten in der Sanierung. Foto: Heinzl

Regensburg.Die gute Nachricht vorneweg: Der Einzelhandel hat auch im vergangenen Jahr seinen Umsatz gesteigert. Die großen Gewinner dabei: der Online-Handel und die Geschäfte in Großstädten. Viele Geschäftsinhaber in den kleinen und mittleren Städten in Ostbayern können sich aber nicht über diese Nachricht freuen. Im Gegenteil: Während große Zentren wie Regensburg - das auch viel vom Tourismus profitiert - immer mehr zulegen, hat der Einzelhandel in den ländlichen Kleinstädten das Nachsehen. Das macht Jörg Lehnert von der BBE Handelsberatung in Köln beim IHK-Werkstattgespräch über Stadtentwicklung und Zukunft der Stadtzentren am Freitag in Regensburg deutlich.

„Leerstand bringt immer mehr Leerstand“ Jörg Lehnerdt, BBE Handelberatung

„Bei den Klein- und Mittelstädten trennt sich die Spreu vom Weizen. Die können zwischen den Großstädten und dem Onlinehandel zerrieben werden“, sagt der Berater, der selbst aus Nabburg im Landkreis Schwandorf stammt. Er macht dennoch Hoffnung: „Manche werden es schaffen - auch in der Oberpfalz.“ Wie das gelingt? „Man muss im entscheidenden Moment gegensteuern. Denn Leerstand bringt immer mehr Leerstand“, erklärt Lehnert. „Dann kippt der Standort.“

Ohne Einzelhandel stirbt der Ortskern

Auch Brigitta Brunner warnt: „Ladensterben ist ein zentrales Bild geworden.“ Die Ministerialdirektorin im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr kommt zu dem Schluss: „Sobald die Verbindung zwischen Einzelhandel und Ortskern brüchig wird, beginnen die Schwierigkeiten.“ Die Gefahren sind fast überall ähnlich - und oftmals bereits deutlich sichtbar: Immer weniger Geschäfte und Gastronomie führen zu verödenden Innenstädten.

IHK-Präsident Michel Matt stellt klar: „Die Attraktivierung der Innenstädte und Ortszentren ist kein Selbstläufer.“ Viele Bürgermeister, City-Manager und Einzelhändler aus Ostbayern sind zum Werkstattgespräch der Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz und Kelheim gekommen, das in diesem Jahr bereits zum achten Mal stattfand. Sie stellen sich die Frage, wie sie ihre Städte und Kommunen langfristig als Wohn- und Arbeitsort attraktiv halten können.

Das IHK-Werkstattgespräch in Regensburg zur Zukunft von Einzelhandel und Stadtzentren stieß auf großes Interesse. Foto: Loeffler
Das IHK-Werkstattgespräch in Regensburg zur Zukunft von Einzelhandel und Stadtzentren stieß auf großes Interesse. Foto: Loeffler

Dass es durchaus möglich ist, gegenzusteuern, zeigen Beispiele aus der Region. Von großen Supermärkten oder Einkaufszentren am Stadtrat will Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann nichts mehr wissen. Er setzt voll auf sein Stadtzentrum. „Wir entwickeln uns von der grünen Wiese wieder zurück in die Innenstadt“, sagt Hofmann. Zulange habe die Stadt zugelassen, dass sich der Einzelhandel außerhalb ansiedelt, während es im Stadtkern zu Leerständen kam.

Lesen Sie auch: „Einzelhandel in der Mangel“ - ein Gastbeitrag von IHK-Geschäftsführer Martin Kammerer

Die Maßnahmen waren hart: Veränderungssperren in den Bebauungsplänen für den Stadtrand und das Verbot bestimmter Warensortimente, die er lieber in der Innenstadt hatte, wie Bekleidung und Lebensmittel. „Da brauchen sie Durchhaltevermögen“, sagt Hofmann. „Und sie müssen mal eine Klage aushalten können.“ Sogar mit Abwanderung wurde gedroht. Der Erfolg scheint Hofmann jedoch recht zu geben. Die nächsten Bad Kötzinger Supermärkte entstehen auf einer umgewandelten Industriefläche in Innenstadtnähe. Ein Parkhausneubau soll notwendige Parkplätze im Zentrum schaffen.

Leerstand erfolgreich beseitigt: In dieses Gebäude in der Lamer Straße in Bad Kötzting zog ein Bekleidungsgeschäft. Foto:rh
Leerstand erfolgreich beseitigt: In dieses Gebäude in der Lamer Straße in Bad Kötzting zog ein Bekleidungsgeschäft. Foto:rh

Mit groß angelegten Umbaumaßnahmen versucht die Stadt Schwandorf, ihre Innenstadt wiederzubeleben. Der Verkehr soll raus: Flaniermeile statt Durchgangsstraße. Doch große Baustellen führen zwangsläufig zu Konflikten mit den betroffenen Einzelhändlern. Der Bagger vor der Haustüre drückt sofort den Umsatz.

Innenstadt

Friedrich-Ebert-Straße, letzte Etappe

Am Montag startet beim Umbau der Schwandorfer Einkaufsmeile der zweite Teil. Das hat Folgen für alle Autofahrer.

Daher beschwört Oberbürgermeister Andreas Feller Kommunikation und Kooperation: „Es kann nur miteinander gehen.“ Das kann Roland Meiller, der ein Juweliergeschäft am Schwandorfer Marktplatz hat, bestätigen: „Von den Hausbesitzern bis zum Jugendbeirat wurden alle mitgenommen. Es ging darum, was wir gemeinsam erreichen wollen.“ Wichtig sei immer, zu informieren, und zwar rechtzeitig.

Ministerialdirektorin Brunner betont, dass der Staat die Kommunen bei ihren Anstrengungen nicht alleine lasse. Im Rahmen der Städtebauförderung seien 760 Millionen Euro in 139 Städte und Gemeinden in der Oberpfalz geflossen. 87 Prozent davon in den ländlichen Raum.

Baumaßnahmen belasten Einzelhandel

Mit langwierigen Umbaumaßnahmen mussten und müssen auch die Geschäfte in der Regensburger Innenstadt kämpfen. Die Domstadt ist in ihrer Ausgangslage nicht mit den Kleinstädten der Oberpfalz vergleichbar. Aber Lärm, Dreck und Staub belasten auch hier die Einzelhändler. Luis Fernandez, der Projektleiter der Stadt Regensburg, rät: „Sie müssen den Weg in die Innenstadt so einfach wie möglich machen.“ Ein gut gefülltes Marketing-Budget ist sicherlich auch hilfreich. Mit Aktionen wie einer Modenschau oder einem Frühstück auf der Baustelle hat Fernandez Kunden angelockt und gleichzeitig auch Einblicke in den Baufortschritt gewährt. Dennoch kämpft die Regensburger Altstadt mit Leerständen.

Eine attraktive Innenstadt kann gelingen: Aus Schwandorf, Bad Kötzting und Regensburg wurden Praxisbeispiele vorgestellt. Foto: Loeffler
Eine attraktive Innenstadt kann gelingen: Aus Schwandorf, Bad Kötzting und Regensburg wurden Praxisbeispiele vorgestellt. Foto: Loeffler

Doch die Einzelhändler selbst sind gefragt. „Es haben viele die letzten Jahre verschlafen“, stellt Peter Rödlbauer, der ein Bekleidungsgeschäft in Bad Kötzting führt, nüchtern fest. Berater Lehnerdt warnt davor, sein Heil unüberlegt im Internet-Geschäft zu suchen. „Manche Einzelhändler brauchen einfach keinen Online-Shop“, sagt Lehnerdt. Er bringt das Konzept „Click and Collect“ ins Spiel, bei dem Kunden auf der Händler-Website bestellen und die Ware im Ladengeschäft abholen. Ein Allheilmittel? Nein. „Nicht alle sollten versuchen, Amazon mit eigenen Mitteln schlecht zu kopieren“, sagt Lehnerdt.

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