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Verbrechen

Sophia: Familie nimmt Abschied

Der Bruder der 28-Jährigen veröffentlicht auf Facebook einen Trauer-Post. Laut Polizei liegt aber noch kein DNA-Abgleich vor.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel (l) und Polizeisprecher Jürgen Stadter machten am Montag noch keine Angaben über das weitere Vorgehen im Fall Sophia. Foto: Kathrin Zeilmann/dpa
Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel (l) und Polizeisprecher Jürgen Stadter machten am Montag noch keine Angaben über das weitere Vorgehen im Fall Sophia. Foto: Kathrin Zeilmann/dpa

Bayreuth.Vier Tage sind seit dem Fund einer Frauenleiche im spanischen Baskenland vergangen und laut offiziellen Polizeiangaben gibt es noch immer keine Gewissheit, dass es sich um die Tramperin Sophia L. handelt. Der Pressesprecher der Polizei Oberfranken,Jürgen Stadter, sagte am Dienstagvormittag auf Nachfrage der Mittelbayerischen, dass noch immer kein DNA-Abgleich vorliege. Sophias Bruder Andreas L. verfasste am Montagabend allerdings einen Facebook-Post. Darin schreibt er: „Rest in Peace, my wonderful sister, Rest in Peace! You made this world a better place.“ (Auf Deutsch: Ruhe in Frieden, meine wundervolle Schwester, Ruhe in Frieden. Du hast die Welt zu einem besseren Ort gemacht.) Unter dem Post häufen sich am Dienstagvormittag bereits Hunderte Beileidsbekundungen.

Die Ermittler gehen mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass es sich bei der Leiche um die vermisste Sophia handelt. Sie wollte am 14. Juni vom Rastplatz Schkeuditz bei Leipzig aus zu ihrer Familie in die Oberpfalz trampen, kam aber in Amberg nie an. Seit vergangenem Dienstag sitzt ein 41-jähriger Lkw-Fahrer einer marokkanischen Spedition in Spanien in Untersuchungshaft.

Am Montagvormittag landeten zwei Ermittler der Kriminalinspektion Bayreuth in Spanien, sie werden von einem Team von Beamten der Leipziger Polizei unterstützt, die seit vergangenem Mittwoch vor Ort Ermittlungen durchführen. Welche Erkenntnisse bereits gewonnen werden konnten, darüber schweigt die Polizei sich aus. Auch wollen die Ermittler nicht sagen, ob der Beschuldigte bereits ein Geständnis abgelegt hat. „Wir können lediglich sagen, dass im Zusammenhang mit dem Fall Sophia ein 41-Jähriger in Spanien in Untersuchungshaft sitzt.“ Einige spanische Medien haben inzwischen ein Foto des Mannes veröffentlicht.

Kreditkarte führte auf die Spur

Die Polizei in Oberfranken bestätigte, dass sich der Auffindeort der Frauenleiche, die deutliche Spuren von Gewalt und starke Verbrennungen aufweist, mit der Fahrtroute des Verdächtigen deckt. Die spanische Zeitung El Correo berichtete, dass der Lkw-Fahrer zudem in der Nähe der Fundstelle an der Autobahn 1 mit seiner Kreditkarte bezahlte. Dieser Fehler habe, so mutmaßt die Zeitung, die Ermittler zu der Leiche geführt.

Am vorvergangenen Freitag wurde Sophia von ihrer Familie als vermisst gemeldet, nachdem sie nicht in Amberg angekommen war. Ihr letztes Lebenszeichen gab die Tramperin am Abend zuvor gegen 19.45 Uhr. Sie schrieb eine Sms-Nachricht aus dem Lkw. In dem Text an Freunde habe nichts darauf hingedeutet, dass sie in Gefahr sei, sagte später ihr Bruder Andreas L.. Vermutlich starb Sophia aber bereits kurze Zeit später. „Wir gehen davon aus, dass die Tötung in Oberfranken stattgefunden hat“, wiederholte Polizeisprecher Stadter gestern. Er wollte nicht sagen, ob sich die Hinweise auf einen bestimmten Ort verdichtet haben. Auf dem Parkplatz Sperbes bei Plech, wo die Polizei bereits vor einer Woche nach Sophia suchte, legte der Lkw-Fahrer gegen 21 Uhr eine fast dreistündige Pause ein. Das wussten die Ermittler aus den Auswertungen der GPS-Daten. Danach fuhr er nur noch wenige Kilometer bis Lauf an der Pegnitz, wo er Nachtruhe hielt und am Morgen neue Fracht aufnahm. Weitere Ware holte er am Freitagnachmittag in Langwied bei Augsburg. Es soll sich um technische Textilien gehandelt haben. Wo er beim Zuladen die Leiche von Sophia versteckte, ist bislang nicht bekannt. Auch zu der Frage, warum der mutmaßlicher Täter sein Opfer 1700 Kilometer quer durch Europa mitnimmt, schweigt der Polizeisprecher. „Grundsätzlich kann man aber sagen, dass das für uns schon ungewöhnlich ist“, so Stadter.

Das DNA-Profil

  • Herstellung:

    Das DNA-Profil ist der genetische Fingerabdruck eines Menschen. Um ein DNA-Profil erstellen zu können, braucht man Gewebeteile oder Körperflüssigkeiten des jeweiligen Menschen wie Hautzellen, Blut oder Speichel. Hat man die nicht, können Experten das DNA-Profil auch mit Hilfe von Resten etwa in einem Kamm oder der Zahnbürste generieren. Konkret bestimmen die Molekularbiologen aus den aus dem Zellkern geholten Informationen sogenannte DNA-Merkmalssysteme. Die DNA-Merkmalssysteme sind in ihrer Zusammensetzung bei jedem Menschen anders – und werden zudem weitervererbt. Deshalb kann auch die DNA von Angehörigen helfen, ein Profil auszuwerten.

  • Die Technik:

    Wenn es ganz schnell gehen muss, könnten in ungefähr acht Stunden ein DNA-Profil erstellt werden, sagt eine Molekularbiologin vom bayerischen Landeskriminalamt dazu. Diese Zeit brauche man auf jeden Fall, um ein sicheres DNA-Profil zu haben. Das sei auch in allen Ländern gleich. „Die Technik und die Chemie, die verwendet wird, ist gleich.“ Beim Bayerischen LKA werden diese Profile, wenn nötig, auch in der Nacht und am Wochenende erstellt. (dpa)

Auf seinem Weg musste der Fahrer zwei Grenzen überqueren. Zudem herrschte in Frankreich am Sonntag ein Lkw-Fahrverbot. Der Fahrer könnte danach aber unter Druck geraten sein, weil es Sophias Familie gelungen war, ihn mithilfe von Videoauswertungen vom Rastplatz Schkeuditz aufzuspüren und über die Spedition in Marokko an seine Handynummer zu kommen. Andreas L. hatte am Montagnachmittag in den Sozialen Netzwerken gepostet, dass man den Lkw-Fahrer habe sprechen können. Womöglich bekam der es in diesem Moment mit der Angst zu tun. Wie die Sächsische Zeitung berichtete, ergaben GPS-Auswertungen, dass sich der Lkw-Fahrer am Dienstagfrüh zwischen 4.55 Uhr und 6.27 Uhr in Asparrena aufhielt, offensichtlich, um sich dort der Leiche zu entledigen. Stunden später wurde der 41-jährige Tatverdächtige in der südspanischen Stadt Jaén festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einen internationalen Haftbefehl.

Sophia L. starb mutmaßlich bereits in der Nacht ihres Verschwindens. Foto: Polizei
Sophia L. starb mutmaßlich bereits in der Nacht ihres Verschwindens. Foto: Polizei

Die spanische Polizei war auf den Lkw aufmerksam geworden, weil es im Führerhaus brannte. Der Fahrer war zu Fuß auf der Flucht, konnte aber wenige Kilometer weiter festgenommen werden. Sein Ziel sei die Fähre nach Tanger gewesen, heißt es. Am Mittwoch erließen die spanischen Behörden Haftbefehl – wegen Mordes. Wie spanische Medien am Wochenende berichteten, habe der Beschuldigte inzwischen einer Auslieferung nach Deutschland zugestimmt. Die weiteren Schritten würden aber erst beantragt, wenn die Leiche eindeutig identifiziert sei, sagte Polizeisprecher Stadter.

15-köpfige Ermittlergruppe

Bei der Kriminalpolizei Bayreuth wurde am vergangenen Freitag eine etwa 15-köpfige Ermittlergruppe eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat das Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Leipzig übernommen, nachdem alles auf einen Tatort in Oberfranken hindeutet. Neben den Ermittlern, die sich mittlerweile in Spanien befinden, wird der Kontakt zu den spanischen Behörden über einen Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamtes gehalten.

Wie spanische Medien berichten, hat die Generalsekretärin der sozialistischen Partei PSE, Idoia Mendia, bereits SPD-Parteichefin Andrea Nahles ihr Beileid zum Tod der jungen SPD-Politikerin Sophia L. ausgesprochen. Mendia sagte, dass das Verbrechen erneut die Bedrohungslage von Frauen weltweit zeige – „einfach weil sie Frauen sind“. In der Stadt Asparrena gab es einen Protestmarsch nach dem Leichenfund.

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