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Sparen – was soll das noch?

Wer Geld zurücklegt, gibt der Zukunft bei seinen Entscheidungen Gewicht. Diesem Grundgedanken wird am Weltspartag gedacht.
Von Franz Seitz, OTH Weiden

Prof. Dr. Franz Seitz, OTH Weiden, und Mitglied des Aktionskreises Stabiles Geld
Prof. Dr. Franz Seitz, OTH Weiden, und Mitglied des Aktionskreises Stabiles Geld

Regensburg.Als sich Sparkassenvertreter im Oktober 1924 in Mailand trafen und sich entschlossen, zukünftig einen jährlichen Weltspartag einzuführen, waren sie überzeugt davon, dass ihr Anliegen von bleibender großer Bedeutung für die Gesellschaft sein würde. Nun, 90 Jahre später, schaut mancher eher irritiert auf dieses Datum und Fragen nach dessen Stellenwert und dem Sinn des Sparens in der heutigen Zeit werden aufgeworfen.

Dem Sparen liegt im Prinzip eine Abwägung zwischen Gegenwart und Zukunft zu Grunde. Wer spart, gibt der Zukunft bei seinen Entscheidungen ein bedeutendes Gewicht. Der Sparer schaut also über den Tellerrand des kurzfristigen „Jetzt und heute“ hinaus. Nichts an diesem Grundgedanken ist heute antiquiert oder zu kritisieren. In Deutschland liegt der Anteil des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte, der gespart wird (die sogenannte Sparquote), mit neun Prozent (noch) auf einem relativ hohen Niveau. Dies ist in vielen anderen Ländern, allen voran den USA, schon lange nicht mehr der Fall. Allerdings ist es angesichts der schon seit Jahren vorherrschenden Niedrigzinsen erstaunlich, dass die Ersparnis in Deutschland darauf kaum reagiert.

Fördernd für die Ersparnisbildung war sicherlich, dass mit dem unerwartet starken Rückgang der Energiepreise sowie der guten Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung mehr vom Netto-Einkommen übrig blieb als geplant und weniger Vorsichtssparen erforderlich war. Zudem sind in diesem Zusammenhang die langfristig gebundenen Sparformen, wie Riestersparen und Lebensversicherungen, zu nennen, die aufgrund der vertraglichen Verpflichtungen über viele Jahre unabhängig vom jeweiligen Zinsumfeld erfolgen müssen. Zur Ersparnis zählen auch die Zuwächse der im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung erwirtschafteten Ansprüche. Dieser zinsunempfindliche Sockel macht inzwischen ca. 50 Milliarden Euro aus. Und schließlich zählen zu den privaten Haushalten laut international harmonisierter Statistik auch Selbständige und Einzelunternehmen. Gerade beim Mittelstand sind in den letzten Jahren die Gewinne und damit dessen Ersparnis deutlich gestiegen.

Vor dem Hintergrund der unter Umständen noch Jahre andauernden Null-, beziehungsweise Niedrigzinspolitik, die zu negativen Realzinsen führt, sind die Perspektiven für das Sparen der jüngeren Bevölkerungsschichten eher düster. Sparen will gelernt sein und die Ersparnis reagiert auf Anreize. Auf Dauer bedeutet das für jeden Einzelnen, entweder erst später als mit 67 Jahren in Rente gehen zu können oder erhebliche Abstriche am Lebensstandard im Alter vornehmen zu müssen. Gesamtwirtschaftlich würde das heißen, dass weniger Mittel für produktive Investitionen zur Verfügung stehen, wenn diese nicht vom Ausland zur Verfügung gestellt werden. Sehr zynisch erscheinen in diesem Zusammenhang Äußerungen von Politikern und Ökonomen aus dem In- und Ausland, wie dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, die auf die „Dummheit“ des deutschen Sparers hinweisen und ihm raten, doch auf risikoreichere Finanzprodukte überzugehen. Dabei sei nur daran erinnert, dass die zunehmende Risikofreudigkeit und mangelnde Kenntnisse vieler innovativer Finanzprodukte Mitauslöser der Finanzkrise 2007/08 waren.

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